Gewitter

Ich entsinne mich
An ein gewaltiges Gewitter
Das sich über dem Freibad entlud
Ich als Knirps mit der Tante
Unter dem Vordach
Bei den Garderobekästchen
Wie danach die Sonne schien
Als wäre nichts gewesen

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Komfortzone

Zeichnung, Filzstift auf Papier, 10×15

Bleibt

Wir suchen das Echte
Bleibende
Wer das 3:2 gegen Finnland sah
Weiss was gemeint ist
Unzählige Rosenknösplein
Kamen über Nacht
Die Literaturtage in S.
Können wir getrost auslassen
Rosmarie Pfluger 1919-2018
Im Gäu seit me
Mängi Chue vergisst
Wie si als Chalb
Gumped isch
Liebevolle Lehrerinnenschrift
Im abgegriffenen Sagenbuch
Gewidmet
Bleibt

Es geht mir gut

Offiziell geht es mit gut
Blendend geht’s
Wenn du mich fragst
Aber ich schaue
Auf youtube
Wie sie in Nordirland
Einem die Fahne wegnehmen
Sie werfen Steinplatten
Sirenen heulen
Menschen schreien
Offiziell interessiert mich Botanik
Sport
Aber am Abend mache ich
Ein Feuer aus den Matchprogrammen
So ist es recht
Denke ich
Es ist wie ein breites Grinsen
Zerfall ist in allem
Die dritte Beerdigung diese Woche
Dabei wollte ich
Auf dem Friedhof aufs WC
Dort hat man Ruhe
Seife und Papier
Sogar ein Radiator
Jetzt war nichts damit
Man sitzt schlecht
Während am kleinen Fenster
Trauergäste vorbeiziehen

Bild

Raben hüpfend auf dem
Regennassen Feld
Im Hintergrund fliesst Verkehr
Auf dem Feldweg ein Transporter
Gärtnerei Jost
Radfahrer kreuzen
Wasser perlt an Pellerinen ab
Zeigt Nebel sich am Wald
Zuerst Detailaufnahmen
Dann die Totale
Das Land mit den Hügeln
Soundtrack
Bach Klavierkonzert in F
BWV 1056
Largo

Frühwerk und Spätwerk

Frühwerk und Spätwerk
Unterscheiden sich nur da
Dass der junge Künstler
Noch dran glaubte
Mit seiner Kunst
Die Welt zu verändern
Revolutionär
Dass er überhaupt glaubte
Er mache Kunst
Mittlerweile ist es mir gleichgültig
Ich mache mein Ding und fertig
In eine Schablone lasse ich mich
Ungern zwängen
Wenn mich etwas interessiert
Mach ich’s
Sonst lasse ich es bleiben
Es auf keinen grünen Zweig bringen
Geduckt wie die Tauben
Vor Gebäuden hocken
Regen kam dann tatsächlich
Wusch alles ab
Frühwerk und Spätwerk
Unterscheiden sich nur da

Muttertag

Zum Muttertag
Macht man sich Gedanken
Nach 21 Jahren bleibt
Nicht viel übrig
Auf dem Friedhof
Muttertag
Wie wir heimkamen
Mit Geschenken
In der Schule gebastelt
Da freute sie sich
Nun halte ich
Das Poesiealbum in den Händen
Wünsche für ein gutes Leben
Dass man sich nie vergesse
Kindliche Treue
Wer weiss
Was aus ihnen wurde
Die es schrieben
Tintenkleckse und Fehler
Eingeklebt Kätzchen samt Korb
Rosen

Gelb

Gelb das Land nun
Und läuten Glocken
Branden weit
Fahren wir fort
Und wundern uns
Und essen Brot
Und Wein
Gehen den Weg
Allen Fleisches

(Illustration: „Rapsfeld“ Filzstift und Isolierband
auf Papier; 10×15)

Ich habe meine Lektion gelernt

Ich habe meine Lektion gelernt
Von Wind und Sonne
Wasser und Land
Kantonalen Bestimmungen
Bezirksgrenzen
Alpha und Omega
Dem gelben Kleid nachhängend
Dieser Hüftschwung
Nicht mehr alles glauben
Was sie sagen

Am Brunnen

Am Brunnen unter der Linde
Trocken die Zunge
Kühler Trunk
Erinnern uns jener Tage
Schwüle und Wetterleuchten
Wenn wir nach dem Znacht
Noch veruse durften
Sprang eine frohe Kinderschar
Trieb manch lustiges Spiel
Bis es dunkel war
Heiter ging der Tag zu Ende
Klopfend das Herz
Rote Wangen
Sanken wir ins Bett
Träumten von Reisen in den Urwald
Expeditionen auf den Meeresgrund
Tatsächlich bleibt das Gute
Verdichtet sich
Wird Gewissheit
Licht

Nur die Liebe bleibt

Das Leben hat manchmal
Einen eigenen Gout
Nach Holz und Metall etwa
Nach Feuer
Und Schönes ist wüst
Und das Wüste ist schön
Halten wir fest
Die Freude der Kinder
Auf den Fahrädern
Die Freude der Frauen und Männer
Wind der Gräser bewegt
Büsche und Bäume die sich wiegen
Regen der ausblieb
Blütenstaub
Immer wieder Geschichten
Vom Fahren und Lachen
Von Büchern und Tieren
Tiere umgeben uns
Leben wird gelebt
Nimmt Wendungen
Hat ein Ende
Nur Liebe bleibt

Parkplatz

Dass der Parkplatz bei Kirche
Und Restaurant National voll ist
Wies darauf hin
Es war eine wichtige Persönlichkeit
Priester und Sigrist kommen
Vom Kirchhof sich unterhaltend
Im Garten ist gedeckt
Serviertöchter haben begonnen
Herrlicher Tag
Dann kommt tröpfchenweise
Die Trauergemeinde
Zu zweit zu dritt gehen sie
Mit gemessenen Schritten vorbei
An meiner Bank
Schweigend oder im Gespräch
Gedämpfte Stimmen Wortfetzen
Einer geht in die andere Richtung
Um zu telefonieren
Ein längeres Gespräch
Man wartet bei den Autos
Während sie mehr oder weniger trauern
Zeichne ich ein dürftiges Gedicht auf
In Zeiten der Abgänge
Der Absteiger steht fest
Bekomme Hunger
Wenn ich daran denke
Was es im National nun gibt

Schriftliche Division

Nachhilfe bei Frau Stocker
Geduldige Queen-mother
Gütige Lehrerin a.D mit geblümter Schürze
Warme Augen
Bequemes Einfamilienhaus mit Rosen
Umschwung
Entreé mit Lithografien von Rosen
Erhaschte einen Blick in den Salon
Flüchtig gegrüsst
Den Hausherrn im Fauteuil
Umgeben von Modellen mit roten Schwungrädern
Zahnrädchen und Ketten
Eisenbahnen
Ordonnanzwaffen
Säbel
Ein Globus
Das Studierzimmer eines Forschers
Wie gerne hätte ich ihm zugehört
Atlanten durchgeblättert
Unter den zärtlichen Augen des stummen Patrons
Stattdessen wurde mir der Küchentisch gewiesen
Tickend die Uhr
Wo niemals Sirup kredenzt wurde
Blitzblankes Chromstahl
Äpfel in einer Schale
Vögel vor dem Fenster
Draussen schwüles Wetter
Tage voller süsser Langeweile und Begierden
Mein Fussballleibchen fühlte sich feucht an
Drückten Sammelbildchen in der Tasche
Musste über Zahlenbeigen brüten
Reihen und Brüche
Als Sträfling auf einer Galeere
Sinnlos in Ketten auf dem Ozean rudern
Zahlen in Häuschen schreiben
Doppelt unterstrichen
Schriftliche Division
Habe mir bis heute nur rudimentär
Die mathematischen Grundfunktionen angeeignet
Komme nicht umhin
Einen letzten Blick ins Wohnzimmer zu werfen
Stockers Platz ist verwaist
Der Beistelltisch abgeräumt
Stille
Denn niemand hat die Uhren aufgezogen

Freiheit

Am irischen Strand liegt
Das gelbe Wrack
Ein Boot mit dem Kubaner nach Florida flohen
Jahrelang auf dem Atlantik umherfuhr
Von Golfstrom hergetragen wurde
Als die Insassen längst in Sicherheit waren
So Gott helfe
Eine Nussschale mit einem Motor
Gut genug zweihundertdreissig Meilen zu schaffen
Das Schifflein ist selbst gemacht
Gebaut in aller Heimlichkeit
Zusammengestückt aus entwendetem Baumaterial
Armierungseisen zurechtgebogen und verschweisst
Es zeigt anschaulich
Wenn die Sehnsucht nach dem Meer
Die Sehnsucht nach Freiheit gross genug ist
Lernt man Schiffe bauen
Es sei Revolutionsromantikern wärmstens empfohlen
Die Konstruktion zu studieren
Die Wahl der Materialien
Den rostigen Klumpen zu berühren
Der einmal ein Motor war

Wenn’s hochkommt

Wenn’s hochkommt
Schaffe ich ein Gedicht am Tag
Oder einen passablen Text
Aber es kommt selten hoch
Meist ist viel zu tun
Alle wollen etwas
Man kommt nicht dazu
Wenn’s hochkommt
Schaffe ich eine Zeichnung am Tag
Aber das ist selten der Fall

Ankunft

Meer, Torf, Möwen schreien immer
Milchflaschen vor bunten Türen
Blättert Farbe ab
Als Gott die Welt erschuf
Machte er genug Zeit
Das erste Guinness im Temple
Es ist laut und sie singen mit
Singen vom Hungerstreik 81
Als wär’s gestern gewesen
Einfache Menschen
Sie tanzen und lachen
Wie immer ist es ein Heimkommen
Ich gehöre hier dazu
In einem früheren Leben war ich hier
Bobby Sands und Che Guevara
Als wär’s ein Witz
Aber sie meinen es Ernst
Später fliessen Tränen
Verläuft Wimperntusche
Ich helfe Séamus mit dem Alteisen
Berge von rostiger Ware werfen wir
Auf die Ladefläche
Unter den Hufeisen liegen Gewehrläufe
Ich war schon immer da
Habe mitgemacht
Jetzt singe ich den Song
Wenn ich aufs Meer hinausschaue

Karpfenteich

Karpfenteich beim Schloss
Träge Fische
Forsythien
Frauen zeigen Bein
Bei der kath. Kirche
Blumen im Haar
Ein dickes Mädchen mit Brille
Fährt mit rotem Kopf
Bergauf
Du bist schön
Will ich ihm zurufen
Hässlich bin ich
Schwarz meine Seele
Klamm mein Herz

Magnolie

Vor dem Haus steht eine Magnolie
Stand da
Steht auch noch da
Wenn wir längst ausgezogen sind
Steht dort
Wenn man uns hinausgetragen hat
Auf die Brunnenwiese

Regen und Sonne

Aus Häusern Bratenduft
Speck wird angebraten
Läuft Wasser im Munde zusammen
Der Tankzug hält am Signal
Verlangsamte zuvor die Fahrt
Quietschen Bremsen
Um exakt beim Boll stillzustehen
Als Bodenlinie gleichsam
Ein Sujet gebend für Fotografen
Zug vor Schädelberg
Regen und Sonne im Wechsel

Schlechte Gedichte (2)

Wenn man Gedichte macht
Sie den Leuten zeigt
Finden es immer alle gut
Alle finden es eindrücklich
Gute Sachen schreibst du
Ausdrucksstark
Wortgewaltig
Sie reden wie Sachverständige
Heuchler
Niemand sagt
Vergiss es
Hattest du eine schwere Kindheit
Such dir ein Hobby
Solchen Schrott las ich nie zuvor

Stattdessen das Übliche
Brave Floskeln
Dabei würde das andere mehr bringen

Milch

Dass morgens Vögel singen
Beweist nichts
Wo Menschen stehen bleiben
Entsteht Geborgenheit
Haben Geschichten ihren Ursprung
Wenn morgens die Vögel beginnen
Früh
Sitzen Nachtwächter über Aufzeichnungen
Starren aufs Rapportbuch
Kritzeln auf Unterlagen
Sich hinter haarigen Ohren
Mit dem Bleistift kratzend
Will der Bericht nicht zu Papier
Stammelnd lesen sie dann ab
Ruhige Nacht gehabt
Arpagaus um 12 eine Milch
Kühnis um 2 Milch
Dann noch herumgelaufen
Ebneter Noz
Reding Valium
Steiger Noz wollte zuerst dann nicht
Sonst alles gemacht
Erhebt sich wünscht guten Dienst
Müde alle Gesichter
Draussen begann der Tag
Die Kranken schlafen unruhig
Wälzen sich in verschwitzten Betten
Albträume hinter Schränken
Hocken auf Nachtischchen
Da scheppert schon Kaffee und Milch
Das Spiel nimmt seinen Lauf

Schädel und Waffen

Ich fand’s z.B nicht gut
Dass sie im Museum
Die Schädel nicht mehr zeigen
Schädel die uns immerhin
Zuversichtlich angrinsten
Erinnerten uns freundlich
Ans Endliche
Ich fand’s z.B nicht gut
Dass sie Waffen und Schädel
Gelochte und gespaltene
Aus den Vitrinen entfernten
Geschichte anders vermitteln wollen
Was bitte soll daran schlecht sein
Dass man drei Löchlein
Auf der Stirn sieht
Grinsend auch sie
Erinnerten uns daran
Wie es zu und her geht
Draussen

Und plötzlich ist sie da

Und plötzlich ist die kleine Traurigkeit
Einfach da
Unvermittelt
Wie ein Zug aus dem Tunnel rollt
Einfach so
Wie ohne zu fragen
Der Gast an meinem Tisch Platz nimmt
Mich anschaut und bemerkt
Dass ich schlecht aussehe
Die neue Traurigkeit
Legt sich ohne weiteres
Wie ein schwacher Schatten über uns
Noch lachten wir
Gingen voller Zuversicht
Nun hat uns der Saum des
Schwarzen Mantels gestreift
Der leichte Radmantel der Muse
Ganz fein klang ein Glöcklein
Ein Zipfel vom Totenhemd
Des Manschettlers
Fuhr uns übers Gesicht
Kühl wie Nebel
Wind kam von der Fluh
Nun ist die Traurigkeit da
Steht am Perron mit Gepäck
Ein Porteur lädt dienstfertig
Beschlagene Koffer
Auf denen Zettel kleben
Auf den Wagen
Sieht aus
Als wolle sie länger bleiben
Die kleine Traurigkeit kam verspielt
Wie ein kleiner Hund
Leckte uns die Hand
Auf der Ruine flattert nun
Ein anderes Banner
Die kleine Traurigkeit wieder ist da

Signale

Mitten durchs stille Quartier
Die Bahnlinie
Stillgelegt
Schlängelt sich im Schotterbett
Voller Unrat
Glänzen Schienen
In der Sonne
Eidechsen
Bleiben Kinder am Zaun stehen
Mit Wind in den Haaren
Stehen Signale auf rot
Eingeschachtet durch Felsschichten
Ein Tunnel war zu teuer
Legten sie Gleise
Auf Spuren von Dinosauriern
Über Gräberfelder
Schnitten hallstattzeitliche Hügel an
Alte Schienenstrasse
Beträchtlich einst ihr Wert
06:07 stiegen wir zu
Fahrt ins Glück
Noch ab und zu ein Güterzug
Eine rote Re 4/4
Zieht einen einzigen Wagen
Blinkt harmlos ein Schlusslicht
Verschwindet in der Kurve

Brissago

Ort bei Ascona
Zigarre seit 1847
Hüllt uns ein
In Vergangenheit
Öffnet gleichzeitig
Gedankenräume
Gross wie Kathedralen
Würzig der Virginiatabak
Eine Brissago
Jeder Lebenslage angemessen
Ihre Länge ideal
Signalisiert
Wir haben Zeit
Alle Zeit der Welt
Tröstet darüber hinweg
Das Verlorene
Zünden sie sacht an
Mithilfe des Strohhalms
Der drin steckt
Stecken sie in Brand
Geben ihr Feuer
Kein keines Flämmchen flackert auf
Wie bei Wachtmeister Studer

Die Spielsachen sind weg

Ich sitze in der Sauna
Der Fall lässt mich nicht los
Am Schluss machte Krebs alles zunichte
Ich träumte davon
Sah Tätowierungen und Piercings
Sah Gesichter ganz nahe
Münder bewegten sich
Nur hörte man nichts
Im Allgemeinen sind die Leute ok
Ich habe einfach Mühe mit Abschalten
Dort wo der Knabe überfahren wurde/ Lieferwagen
Hat man nun abgeräumt
Nimmt Trauer weniger Platz/ ca. 50cm
Zwei Kerzen sind noch
Eine Holzblume
Die Spielsachen/ Playmobil/ sind weg
Auch die Kinderzeichnungen und das Foto
Das Foto war am schlimmsten
Lauf der Zeit
Mit der Zeit relativiert sich alles
Sprichwörter/ Kalendersprüche
Es ist nicht unbedingt Kunst
Was der junge Mann übers Wochenende machte
Die Wohnung ist ausgeräumt
Alles in Abfallsäcken im Wohnzimmer
Auf dem Heimweg
Von weitem sehe ich den roten Kater
Macht alles gut

Olecranon

Sie lassen
Ihre bösen Hunde
Während dem Spiel
Im Auto
Wenn es länger geht
Overtime
Bellen die Hunde und knurren
Dann strömt alles hinaus
Gehen durch Pützen
Bier und Erbrochenes
Verstummen in Gassen
Gespräche
Sätze sagen sie
Die kein Dichter zu Stande bringt
Raunen es sich zu
Worte wie Honig
Während dem Spiel
Lassen sie ihre Träume im Auto
Ihre Sorgen ziehen davon
Bis weit über die Bergkette
Wenn das Spiel im Gang ist
Haben sie alles Bösartige verloren
Alles Harte schwindet aus ihren Zügen
Sie schauen aufs Eis
Wie kleine Buben aufs Eis schauen
Sie klatschen und lachen
Lassen die Träume draussen
Wenn alles fertig ist
Sind sie weg
Sitzen dann im Rollstuhl
In geeigneten Einrichtungen
Und ganz selten flackert es auf
Das alte Leben
Dank Eishockey weiss ich jetzt
Dass ich ein Olecranon habe
Man merkt es
Wenn man den Arm aufstützt
Vögel sind mit den Dinosauriern
Nahe verwandt
Denke ich
Wenn ich den Meisen zuschaue

Davongekommen

Dass alles herumsteht
Fahrzeuge auf dem Trottoir
Bedeutet nichts Gutes
Alles abgesperrt
Dass alle warten
Räumt letzte Zweifel aus
Es geht nichts mehr
Von der andern Seite
Gaffen wir
Bevor wir weitergehen
So tun
Als gehe es uns nichts an
Noch einmal
Davongekommen

Mahnwache

Auf der andern Strassenseite
Ballone und Fahnen
Farben
Die meisten nehmen davon
Keine Notiz
Mittags eilten sie in die Lokale
Machten am Nachmittag weiter
Wo sie stehen geblieben waren
Fühlten sich müde
Vögel ziehen über den Park
Flattert die Fahne auf der Ruine
Alle reden vom Frühling
Noch ist der Weiher gefroren
Spielen Knaben Eishockey
Beim Tor steht ein Feuerwehrauto
Der Himmel bedeckt
Andere rauchen an der Sonne
Einer winkt mir zu
Ein Bier in der Hand
Bald wird das Land
In einen hundertjährigen Schlaf fallen

Karlsbad

Wohntürme
Kommandobrücke eines
Tankers ohne Steuermann
Kein Kapitän der das Ungetüm lenkt
Graue Landschaft und wogende Wolken
Grauer Gott mit grauen Haaren
Sitzt oben
Faltig sein göttliches Antlitz
Müde blickt er herab auf die Erde
Graue Wohntürme ohne Licht
Ohne bunte Tücher
Stehen im rauen Wind
Hohe Türme voller Zimmer
Graue Mauern
Bäume als Skelette
Wie kalt Karlsbad war
Rigi Kaltbad
Empfanden wir erst
Als Maria abgereist
Ohne Angabe einer Adresse
Wie kalt Karlsbad war
Merkten wir erst
Als wir die Rechnung
Ohne Wirt gemacht hatten
Erstarrten Wassergerinsel
Zu Eiszapfen

Badegäste

Badegäste verweilend
Im Park Schnee auf der Statue
Die ins Leere schaut
Für Gründerväter besteht
Kein Bedarf mehr
Gesichter passen sich
Der Witterung an
Der Landschaft
Angedeutet
Lagerhallen und Kamine
Halten uns an der Schlaufe fest
Um nicht umzufallen
Wenn er anfährt
Die Schwerverletzten
Haben sich erholt
Nach einem Monat starb ein dritter
Den sie ohne Befund entlassen hatten
Plötzlich
In Treppenhäusern wischt man auf
Stehen Fegbürsten und Kessel
Schmierseife
Efeubewachsen der Abort
Am Mühlenplatz
Gelber Würfel
Dort wurde es uns wohl
An exponierten Stellen und auf Bücken
Ist mit Glatteis zu rechnen

Wo schlechterdings alles richtig geht

Nachdem man von A nach B
Die Eisenbahnlinie gebaut
Entstanden an der Strecke
Siedlungen
Vormals Gehöfte
Die sich bis in die Jungsteinzeit
Römerzeit zurückverfolgen lassen
Wo sich griechische Münzen fanden
Und arabische Schrifttafeln
Auch mittelalterliche Reste
Die Eisenbahn brachte Leben
In den Landstrich
Sie weckte Geist und Geschäftigkeit
Sie war das Wasser
Das Pflanzen und Tier tränkt
Das dem Menschen das Antlitz netzt
Befruchtete die Ödnis
Die zuvor geherrscht hatte
Als Lebensader schlechthin
Rollten Güterzüge von A nach B
Hielt der Express von B in A
Und umgekehrt
Zählten wir stolz die Pullmanwagen
Wo Hunde zu versäubern wären
Wo Kreuze geduldig zu tragen sind
Wo Berge von Patisserie gereicht werden
Wo schlechterdings alles richtig geht
Wo keine Unregelmässigkeiten zu gewärtigen sind
Wo Lust und Laster Urständ feiern
Wo Tugend heimisch ist
Wo alles seinen Lauf nahm

Karlsbad

Baden hat uns immer an Karlsbad erinnert
Es ist dieselbe böhmische Schwermut
Grün fliesst eilend Wasser durch die Stadt
Alle Brünnlein fliessen täten
Der Fluss an den Hotels samt Promenade
Da und dort
Knarzen Funkgeräte der Volkspolizei
Während Kafka in Karlsbad weilte
Finden wir hier den Rank nicht
Schläferte uns die Badekur stets ein
Dergestalt
Dass wir auf der Liege ermattet
Immerhin inwendig
Ein Herz schlagen hörten
Sonst ist nur der Fluss zu hören
Badebetrieb insofern
Gedämpfte Stimmen
Das Brummen eines Generators
Kurieren sie sich ihre eingebildeten
Krankheiten und Gebresten weg
Schwitzen sämtliche Leiden heraus
Die sie theoretisch haben könnten
Starren an die Wand
Brüste und Schenkel
Denken wie gewöhnlich nichts
Bei 86 Grad
Rieselt in der Sauna Sand durch die Uhr
So wie es draussen rieselt
Unaufhörlich fliesst
Der Tod schon lauert
Statistisch gesehen

Kirche von Wassen

Kirche von Wassen
Beinhaus von Wassen
Dreimal sieht man sie
Auf der Fahrt gen Süden
Auf der Fahrt nordwärts
Kirche von Wassen
Sinnbild für Eisenbahn
Erinnerungen an
Klassenlager
Wie mundete ein erster Stumpen
Wie süss die verbotenen Früchte
Im verrauchten Anteil
Kirche von Wassen
Sinnbild fürs Leben
Beinhaus von Wassen
Memento mori
Nachlass zu Lebzeiten
Kirche von Wassen
Verquickung von ferrovialer Lust
Mit gregorianischem Choral
Kirche von Wassen und Beinhaus
Weiland Hannibal mit seinen Elefanten
Über die Alpen zog
Heute wies mir ein Knirps
In der Bibliothek seinen aus Plüsch
Beinhaus von Wassen
Sinnbild für alles was ist
Alles was kommt
Alles was gewesen sein wird

Aufgefallen ist

Aufgefallen ist
Dass sie immerzu vom Geld reden
Sie reden davon
Wie günstig sie assen
Schnäppchen erwähnen sie
Mit leuchtenden Augen
Als wenn sie es nötig hätten
Aufgefallen ist
Dass sie sich freuen
Wenn sie weniger bezahlen mussten
Nicht der Kauf freut sie
Es ist die Ersparnis
Aufgefallen ist
Dass sie über Wühltische herfallen
Als müssten sie auf den letzten Rappen schauen
Aufgefallen ist
Wie lächerlich es im Grunde ist
Wenn sie in ihren Massanzügen und Pelzen
Um ein paar Rappen feilschen
Aufgefallen ist
Wie der Futterneid sie hässlich macht
Ihre Fratzen diabolisch verzerrt
Kriegen den Hals nicht voll genug
Wie ihre Gier nach Geld sie ersticken lässt
Langsam
Ihre Hälse zuschnürt
Wie die Garrotte

Ein Clown auf dem Velo

Ich bin ja nur
Ein Clown auf dem Velo
Fahre durch die Gassen
Und die Leute lachen
Rufen Sachen nach
Kinder rennen hinterher
Besonders bei Regen nicht lustig
Mir fallen Sachen raus
Ich merke es nicht
Auch dann lachen sie
Es ist tatsächlich lächerlich
Zu sehen wie Dokumente herumflattern
Wenn ich beim Bewerbungsgespräch
Papiere glattstreichen muss
Nachdem ich zu spät kam
Durchnässt auch
Die Adresse stimme nicht
Doch stellt sich heraus
Sie war korrekt angegeben
Da würden sie gerne lachen
Sie kämpfen dann
Wie man das Niessen unterdrückt
Dann bricht es aus ihnen heraus
Im Grunde genommen fürchten sie uns
Sie haben Angst vor uns
Sehen Respekt gegen die Oberen schwinden
Aber es ist nicht das
Wir wollen nicht Macht
Mit Geld können wir nicht umgehen
Wir gehen nicht planmässig vor
Wie sie denken
Wir geben uns Mühe nicht lustig zu sein
Uns genügt es schon
Wenn uns eine Katze um die Beine streicht

Wasser ist wichtig

Am neuen Ort ist alles neu
Am neuen Ort sind wir dran
Uns neue Gewohnheiten anzueignen
Die alten liessen wir am alten Ort
Neues Leben schleicht sich unmerklich ein
Dann sitzen die Eigenarten da
Wie Möwen auf dem Dach
Am neuen Ort kennt man uns noch nicht
Aber sie lernen schnell
Neue Gewohnheiten werden alte
Möwen bewegen die Flügel
Es hat über Nacht geschneit
Doch ist es zu warm
Es gibt wichtige Bücher und solche
Die man liest und weggeben kann
Am neuen Ort waren sie freundlich
Sie geben sich Mühe am neuen Ort
Der alte Ort ist ansatzweise vergessen
Am alten Ort waren sie freundlich
Der neue Ort ist besser als der alte
Mit der Zeit werden die Orte gleich sein
Möwen können auch in der Vergangenheit
Auf Dächern gesessen
Und die Flügel bewegt haben
Am alten Ort hatte es Möwen
Am neuen Ort sind Möwen
Raben geraten sich mit ihnen ins Gehege
In wichtigen Büchern ist davon geschrieben
Liebe ist wichtig
Wasser ist wichtig

Radikal

Radikal fühlen
Radikal denken
Radikal handeln
Radikal schreiben
Radikal zeichnen
Radikal leben
Radikal lieben
Radikal sterben

Ein Park

Der Friedhof ist jetzt
Ein Park
Die grosse Rasenfläche
Erinnert an Anwesen
Kinder rennen
Lachen und schreien
Eine Tafel hilft zur Orientierung
Für Fragen ist eine
Telefonnummer angegeben
Im Teich schwammen
Früher Goldfische
Im Kreis
Wo du im Herbst einmal
Hineingefallen bist

Because the Night

Because the Night
Geht unter die Haut
Fährt ein
Wie die Fuge bei Schubert
Lässt Bilder auftauchen
Zeiten vorbeiziehen
Das Piano zu Beginn
Die Stimme
Stimme trägt
Trägt uns weit hinaus
Hinaus ins Land
Geniessen die Sonne
Glänzen
Leichtigkeit
Fliegen Vögel
Fliessen alle Brünnlein

Antigone

Ich habe wieder ein Krokodil gekauft
Es schaut mich nun vom Bücherstapel an
Eigenartig wie einem alte Songs
Nahegehen
Als sei alles noch so
Wie es immer war
Dass morgens Vögel pfeifen
Auch wenn Schnee liegt
Menschen eilig
Durch Unterführungen gehen
Stehenbleiben
Warten müssen
Vorwärtsgehen
Dass jemand lächelt
Dass Flocken tanzen vor blauem Himmel
Dass Fotografen ausrücken
Und einer mit der Hand Schiessbewegungen
In die Richtung des Cafes ausführt
Man geht vorbei
Schliesslich
Antigone wird Kreon ins Gesicht lachen
Leider habe ich nie gesagt
Dass ich für sie alles machen würde

Viel Einsamkeit

So viel Einsamkeit
In Mietshäusern und Eigenheimen
In geeigneten Einrichtungen
Anstalten und Asylen
Instituten und Kolonien
So viel Einsamkeit in Wirtshäusern
Und Gasthäusern
In Sporthallen und Skihütten
Viel Einsamkeit im Wald
Auf Friedhöfen
Verlassene Stellungen in den Hügeln
Wie die Bahnlinie ins Leere zeigt
Einsame Schienenstösse
Verstepptes Gleisbett
Stalaktiten in nutzlosen Tunneln
Leere Versprechen
Ungültiges

Salamander (2)

Vor dem Gestell blieben wir lange stehen
Farbstifte Neocolor Filzstifte Bleistifte
Notizblöcke Zeichenpapier
Spielzeugautos Flugzeuge
Spielkarten
Füllten Abstimmungsunterlagen aus
Olten trennt sich von Gustafsson
Der Verwaltungsrat ist
Nach den torlosen Spielen
Zu null gegen den Letzten
Zum Schluss gekommen
Dass
Noch vor zwei Wochen hiess es
Das Gegenteil
Schwammen sommers Molche im Tümpel
Wir fingen die zappelnden Tiere
Zeigten rote Bäuchlein und gesprenkelt
Kleine Drachen
Schüttelten wir Maienkäfer vom Baum
Beim letzten Haus
Wo man nie recht wusste
Trugen sie in Tüten heim
Kommt Sonne gegen vier noch
Durchbricht
Eilen Menschen weiter
Lächeln zuweilen
Die Frau im Rollstuhl
Man könnte zufrieden sein

Der Salamander

Ich warf den Wurstzipfel ins grüne Wasser
Da brodelte es
Kam ein Salamander aus der Tiefe
Über einen Meter lang
Blickte mich die Kreatur an
Gierig und fett
Praller Bauch glänzte
Gelb und schwarz die Unterseite
Mir messerscharfe Zähne zeigte
Um wieder abzutauchen
Zu verschwinden
Wie er gekommen war

Wie Eisvögel am Kanal

Du bist mir lieb
Wie das Schaben des Bleistiftes
Wie ein Tautropfen auf dem Blatt
Wie das Aufflammen des Streichholzes
Wie ein Rauchkringel
Wie das Toben wenn das Tor fällt
Wie zwei Eichelhäher die fortfliegen
Wie Eisvögel am Kanal
Wie Wind am Abend
Wie das Rauschen des Wassers

So ist Glück

Ein Gemälde
Starke Farben
Mit der Farbtube
Direkt auf die Leinwand
Aufgetragen
Leben dergestalt dargestellt
Voll abgebildet
Alle sind sie da
Es ist laut
Es ist sehr gut
Dann ist es unübersichtlich
Und fällt das Tor
Man sah dass er drin war
Aber er gibt es nicht
Im Video ist nichts zu sehen
Chronisten zeichnen Leben nach
Führen still ihre Protokolle
Dienen und schweigen
Ein schweres Gemälde
Wuchtig der Goldrahmen
Füllt den Raum
Die Halle tobt
So ist Glück

Häuser voller Geschichten

Am Morgen:
Für einen Moment
Bilden die Bücher
Auf dem Gestell
Eine Skyline
Häuser voller Geschichten

Später:
Als herrenloses Schiff
Schaukelt bedenklich
Die kurze Dachlatte
Im braunen Wasser
Wie Urtiere
Die Wasservögel
Am Ufer
Zwei Eichelhäher
Fliegen mir voraus
Flankieren den Weg

Heilige Verena

Während Flüsse schwellen
Wasser braun und mit Holz
Hier das Gegenteil
Betreten die Krypta
Wo die heilige Verena
Ruhe fand
Krüglein und Kamm
Flackern Kerzen
Gehen gestärkt unseren Weg