Organigramm (5)

Zeichnung, Filzstift auf Papier, 10×15

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Am Start

Erster Schultag
Erste Schritte
Mutig und lachend
In die Welt der Grossen
Eintritt ins grosse Theater
Fröhlich hüpfend
Der Herr in der
Öffentlichen Bedürfnisanstalt
Wünscht freundlich
Einen schönen Tag
Nachdem er sich vor dem
Beschlagenen Spiegel
Die Haare nach hinten gekämmt hat
Die Kinder kommen heute
Nach den langen Ferien
Zum ersten Mal
Rücken ein
Auch der Mann im Abort
Hat einen ersten Schultag gehabt
Erinnert sich vage
Wie er an Mutters Hand
Über den Schulhausplatz kam
Erster Schultag
Das übermütige Geschrei
Lachen und Johlen
Auf der Startlinie
Sind noch alle gleich
Ein dünnes Läuten
Das graue Schulhaus saugt
Ganze Jahrgänge ein
Kommen später in einer Reihe zu liegen
Doch jetzt wird gejubelt
Gross ist Vorfreude auf Leben

Stufen der Demut

Ausgetreten der schwarze Stein
Ausgelegt für eine kleine Ewigkeit
Schon mancher ging darüber
Und mancher ging hinaus
Nichtig wird daneben
Was uns umtreibt
Bodenplatten der Demut

Sagen

Mängisch chöme sie
All ufs Mal
Dr füürig Ritter
Die wiss Jungfrou
Dr Wildheuer
S bös Mannli
Dr Chnächt im Holz
Woni de Ching ide
Summerferie vom Greiss
Vorgläse ha
Hei si Znacht
Nümm eleige chönne use
Und z Rügen wo d Meerjumpfere
Jede unger Wasser zieh
Wo nid ase gloubt
Dumms Züüg
Het dr Louis gmeint
Aber is Wasser isch er nümm

Der wilde Holzer

Beim Heuen bin ich
Über die Felswand
Ins Bodenlose gefallen
Im feuchten Gras ausgerutscht
Das kann es geben
Nun liege ich am Fusse der Wand
Ich höre wie sie oben rufen
Bald werden sie herkommen
Ich spüre längst nichts mehr
Vielleicht ist es die Hitze
Es kann auch etwas anderes sein
Nachrufe haben etwas Beruhigendes
Ich habe keine Ahnung
Ob ich selber
Der Manschettler bin
Gewiss ging ich im Tal um
Gewartet habe ich jeweils bis Mitternacht
Man kann alles nachlesen
Sie hätten mich nie erwischt
Man versuchte die Plakate wegzumachen
Sie kleben immer noch
Von der roten Farbe konnte niemand wissen
Schweigen wollen wir vom Oberhof
Stehen noch Grundmauern
Es ist Hitze die uns umtreibt
Ausgetrocknet der Bach
Die Säge steht seit Wochen still
Doch machten wir gute Mine
Darin waren wir unschlagbar
Als Puck sind wir übers Eis gefegt
Es ist vom Gefühl etwa das
Wie der freie Fall
Ich bin der wilde Holzer
Der nachts Holz rüsten muss
Als bös Mannli stehe ich im Weg
Wer kein Almosen gibt
Wird vertöfflet
Auch ich hätte gern
Ein warmes Plätzchen gehabt
Kein Grund zur Trauer
Irgendwo spielt ein Örgeli
Taschenspieler bin ich auch
Immer dieselben Tricks
Jetzt habe ich mich zusammengerollt
Wie eine Katze

Hundstage

Hundstage
Sagt auf dem Sofa sitzend
Frau Stumm
Hundstage und dabei kennen sie
Den Begriff gar nicht mehr
Der Stadtgraben ist trocken
Erlächnet
Den Blutmond verfolgten wir
Am Live-ticker
Müssten sonst Jahrhunderte warten
Man musste gut zirkeln
Den einzigen Regentag
Zu erwischen
Als wir auf den Grindel wollten
Aber wir schafften auch das
Für den 1. August haben sie ein
Feuerverbot erlassen
Hundstage

Der Manschettler

Kam vom Schlattli
Ins Dorf hinab
Hatte kein Gesicht
Sie erzählten manches
Von Meineid
Verschobenen Grenzsteinen
Verlorener Ehre
Man deckte für ihn stets auf
Legte ein Bratenstück zur Seite
Weisses Brot
Eine Kanne Bier
Der Manschettler war bekannt
Für seinen Höllendurst
Wehe wenn man es vergass
Dann schmiss er herum
Was zu fassen war
Was nicht niet-und nagelfest
Warf er durcheinander
Polterte im Hause herum
Schliesslich bannte ein Mönch
Den traurigen Geist

Wildheuen

In der Wildi sagen sie
Von der Station her
Geschultert Sense, Rechen und Netze
Da setzt Regen ein
Doch steht das Gadentor
Zur rechten Zeit offen
Hören wir den Singsang
Des Ürnerdialektes
Wir würden besser wieder hinab
Ein alter Bauer mit Fussballschuhen
Die Nocken geben Halt im steilen Gelände
Sein Sohn ihm aus dem Gesicht geschnitten
Trug gleiches Schuhwerk
Später
Steile Wiesen voller duftender Artenvielfalt
Glatt gedengeltes Senseblatt
Auch hier gibt es der Vater dem Sohn weiter
Gewetzt mit dem Stein zieht die Sense wie ein Öfeli
Breitbeinig steht man am Hang
Die Sense beschreibt einen Halbkreis
Man beginnt unten und arbeitet sich in die Höhe
Steine wirft man ins Bachbett
Wildheuer sind Landschaftsgärtner
Zusammenrechen müsse man nicht lernen
Meint lachend der Instruktor
Das duftende Gras wird aufs Netz gebracht
Alle Ecken werden mit einem Strick zusammengezogen
Das verschnürte Paket kommt auf den Buckel
Am Drahtseil saust der Pinggel nun
Über die Felswand hinab
An entlegenen Stellen kommt der Helikopter
Lässt die Mähmaschine übers Tal schweben
Den Knaben des Bauern gefragt
In welche Klasse er gehe
Über Schule machte er sich keine grossen Gedanken
Berufswunsch Landwirt
Ob er weiter Wildheuen wolle
Die Antwort schlägt auf wie der Pinggel am Holz
Ja sicher
Weist am Weg aufs kleine Häuschen mit Pferch
Lueg das ist ein
Sügädeli

Abend am Stausee

Ein heisser Tag wieder
Trockene Wiesen
Die Alpen im Dunst
Das ist es ja gerade
Den Güterzug hört man
Schon im Tägerfeld
Wie er abbremst
Steht am Signal
Auf dem See wankt
Ein Ponton
Unruhig ein Weidling
Jetzt rollt der Zug
Fette Fliegen kriechen
Aus dem Abfallbehälter
Der Zug hat Fahrt gewonnen
Auf dem Estrich prüfte ich
Die Kufen der Schlittschuhe
Am Boden das blaue Silberpapier
4 auf 7.5 cm
Eine Katze zeigt sich

Aufstieg

Ich kenne einen Mann
Der raucht an der Bushaltestelle
Die Zigaretten fertig
Von denen die in Eile sind
Am Strassenrand das weisse Möbel
Aufgequollen die Spanplatte
Die Schublade hängt heraus
Man nimmt davon nicht Notiz
Wie vom Mann an der Haltestelle
Er raucht und erzählt uns
Vom ersten Aufstieg ins A

Unser Haus

Dass unser Haus
Das Haus und der Park
Wo wir Kinder waren
Nunmehr Museum ist
In unserm Zimmer wird Blechspielzeug gezeigt
Dort wo Marie die Kammer hatte
Kann man in die Sterne gucken
Die Küche ist jetzt Bibliothek
Hektors Garage ist weg samt Bentley
Dort steht jetzt als Cafeteria
Ein gläserner Pavillon
Wie Schneewittchens Sarg
Wo Kinder quengeln
Eltern stumm herumschauen
Wo schlechtes Gewissen
In Kägifret und Sinalco umgetauscht wird

Gerhard Meier

Die Prognose verhiess nichts Gutes
Regen ab Olten
Die Lust auf den Scheltenpass
War uns vergangen
So lag Niederbipp am Weg
Der Berg wies eine Nebelmütze auf
Die stille Kirche
Das Grab rot bewachsen
Steinchen auf dem Grabstein
Man blickt wieder zur Fluh hinüber
Ein Güterzug mit weissen Containern
Rollt vorbei
Die Autobahn ist hörbar
Prächtige Buche unter der sie ruhen
Indem wir den Friedhof hinter uns lassen
Hört es auf zu regnen
Es bleibt bedeckt

Strassenseite

Auf der einen Strassenseite
Das Auto vom
Bestattungsamt
Mit offener Hecktür

Auf der andern
Bringt der Wirt eine neue Runde
Unter die rote Sonnenstore
Nachdem er mit dem Schlauch
Das Trottoir abgespritzt hat

Arizona

Zeit für ein Gedicht
Doch wie man es beginnen soll
Wie enden
Die Hitze ist gross
Staubwolken auf dem Feldweg
Wenn sich ein Fahrzeug nähert
Arizona
Denke ich
Blicke aus dem Fenster
Die Baustelle unter der Sonne
Man ist froh
Dass Brunnen fliessen
Wie es weitergehen soll
Wer kann es schon sagen
Die Saison beginnt mit dem Derby
Immerhin darauf können wir uns freuen

Nationalliga B

Es ist nicht einfach
Wenn man in Sierre
Auf den letzten Zug muss
Es ist nicht schön
Wenn man in Überzahl
Nichts Zählbares zustande bringt
Heuschrecken fallen eventuell
In Schwärmen übers Land
Bauleute leiden bei dieser Hitze
Und die Hunde
Wir versuchten uns einstweilen
Mit Lyrik davon abzulenken
Dass es im Grunde genommen
Nichts zu sagen gibt
Auf das Warum
Verschlossen die Herrschaftshäuser
Zum Abriss bereit
Schwanken Profilstangen
Wie Gräser im Wind

Robert Walser

An den meisten Orten wo
Robert Walser gewohnt hat
War ich auch
Zufall
In Bärensweil ass ich Fisch
Berlin habe ich besucht
Und 700 DM gefunden
Bis zu den Knien sank ich ein
Im Schnee
Zwischen Souboz und Bellelay
Ich schätze
Schnee wird mir bleiben

Versailles

Schloss Thunstetten
Versailles im Oberaargau
Hieronymus von Erlach erbaute es
Von dort schrieben wir
Die erste Ansichtskarte nach Hause
Es geht mir gut
Ungelenke Majuskeln
Postleitzahl und Gruss
Durften im Salon nichts anfassen
Schauten durch nasse Scheiben
Zum blauen Berg hinüber
Ausflüge in gelben Pellerinen
Wo Pfahlbauer einst hausten
Scherben im Schlamm lagen
Gletscher machten die Landschaft
Standen Urtiere im hohen Gras
Lasen mit der Taschenlampe
Comix im klammen Schlafsack
Kauten Fruchtgummi
Verklemmten es bis zum Morgengrauen
In die Dunkelheit traute sich keiner

Im Zeichen des Krebs

Diesen heissen Tag
Verbrachten wir lesend
In der kühlen Laube
Ermatteten über der Lektüre
Des Lokalblattes
Mussten über verborgener Poesie
Eingenickt sein
Schlaff wie ein Feldherr
Auf einem Feldbett
Schreckten jäh aus dem Dösen auf
Als die Schwüle sich
In einem Gewitter entlud
Blitze den Himmel teilten
Rollten später auf Holzbänken sitzend
Im Raucher auf die Konkurskurve zu
Keiner zog die museale Notbremse
Die Aschenraupe fiel auf glänzende Schuhe
Freute man sich auf den Imbiss
Im beflaggten Bahnhof
Schwartenmagen
Kalbskopf Vinaigrette
Wurstsalat garniert
Das köstliche Brot
Dazu ein kühler Becher

Modelleisenbahn

Die verstaubte Modelleisenbahn
Als Parabel fürs Leben
Dort wo die Station war
Ragen noch Drähte aus der Faserplatte
Im Grunde genommen hätte man
Von Anfang an
Dem Unterhalt der Anlage
Mehr Aufmerksamkeit schenken müssen
Nun ist es nicht mehr möglich
Unter den Tisch zu kriechen
Die Fehlstelle zu finden gleicht
Buchstäblich
Der Suche der Nadel im Heu
Jetzt ist der Zug abgefahren
Die Abstellgleise wurden demontiert
Sinnlos die Schotterimitation
Abgeknickte Tannen im Schutzwald
Massstab 1:67

Trauergemeinde

Die ganz grosse Trauergemeinde
Wie sie alle da stehen
Wie sie dastehen und warten
Wie alle schwarz angezogen sind
Wie sie dunkel gekleidet warten
Düster warten und dastehen
Ohne den Mann nebenan zu beachten
Ohne die Frau daneben zu bemerken
Mit müdem Blick und hängenden Schultern
Allenfalls noch auf ein Display schauend
Eine einzige grosse Trauergemeinde
Wie sie am Morgen auf den Zug warten
Auf die ratternden Loren der Stollenbahn
Die sie in die Knochenmühle einfährt

Sonnenblumenfelder

Hoch steht die Frucht
In der Ferne ein Kirchturm
Sonnenblumenfelder
Erinnern an Gemälde
Herbst schon bald
Unbändig die Lust
Aufs Eis zu gehen
Ein paar Runden laufen
Eishockey bald wieder
Bleibend das Bild
Auf der Schulreise
Wir Stumpen rauchend
Im Gang draussen
Während Olten kommt
Sonne taucht den Zug
In goldenes Abendlicht

Leben

Leben als riesenhaftes Gemälde verstehen
Jede Erfahrung jeder Eindruck
Eine neue Schicht
Schattierungen
Leben als monumentale Collage betrachten
Kein Fetzchen ist zu klein
Als dass es nicht zur Komposition passen würde
Aufgeklebt mit feiner Hand

Sägerei

Dort unten am Weg
Die kleine Sägerei
Längst hört man kein Schnaufen mehr
Nicht Schaben
Kein Rattern erfüllt das Tal
Fest sind Steine gefügt und das Gebälk
Solange Ziegel alles noch decken
Durch die Luke sehen wir
Den morschen Wasserkanal
Der Bach springt nun durch die Wiese
Das Wasserrad lässt sich drehen
Oberschlächtig ächzt
Riesenhafte Zahnräder greifen knarrend ineinander
Ringsum steht hoch das Gras

Es ist alles nur Show

Beim Wrestling schlägt einer
Dem andern einen Klappstuhl
Voll auf den Rücken
Später springen zwei gleichzeitig
Von der Abschrankung
Erwischen den Dritten voll
Er knallt rückwärts auf die Bretter
Aber es ist nur Show
Sie tun nur so als ob
So wie sonst alles gespielt ist
Rundherum
Vorgespieltes Leben
Gespielte Gefühle
Sie spielen Leben
Sie sagen Sätze
Die sie auswendig gelernt haben
Es ist alles nur Show

Memento mori

Verwittert grinst der Schädel
Vom Pfahl herab
Eingekerbt die Jahrzahl
Lacht uns an mit hohlen Augen
Sandsteinkörnig blickt der Totenkopf
Dem Rollen und Fahren zu
Dem Treiben und Wandel
Hat der Meister mit Stockhammer und Scharriereisen
Den Stein behauen
Die Stele gesetzt im Schweisse seines Angesichts
Legte längst ab Hammer und Schlageisen
Tauschte den Lederschurz mit Tannigem
Verwittert schaut der Totenkopf
Ins Land hinein
Man nickt ihm zu
Hinter der nächsten Kurve
Wird klar
Er ist immer da

Fronleichnam

Während in Baden alles zu
Ruhig die Gassen
Rattert in Auenstein ein Betonmischer
Nageln sie oben Dachlatten an
Vernagelt auch der Kiosk
Auf dem Böhler
Fahren ein ins aargauische Emmental
Land der Literatur
Alles vorgefunden
Hermann
Binz hat ein neues Postauto
Die Endstation wurde verlegt
Jetzt
Schilten Wendeplatz
Das Postauto stört den Unterricht nur noch am Rande
Meine Postkarten muss ich in Schlossthal einwerfen
Der Briefkasten wurde abmontiert
Sage und schreibe
Das Schulhaus selbst ist nun eine Sonderschule
Sie nicken
Friedli saust dreirädrig mit Anhänger talauswärts
Seine langen Haare flatterten im Wind
Der Engelhof lag ruhig
Ein kleiner Brunnen plätschert
Angetroffen habe ich niemanden
Abseits lagen verstreut die Höfe wie eh
Immerhin hat uns der Anblick des Transformatorentürmchens
Für den schweisstreibenden Aufstieg entschädigt
Auf der Tafel über die Gemeinde bei der Endstation
Ist von alten Zeiten und der Hammerschmitte die Rede
Früher noch mehrheitlich Landwirtschaft betrieben
Heute lebt man gut und gesund
In Natur und zahlreichen Vereinen
Können Hobbys gepflegt werden
Auch dies im Grunde genommen Literatur
Oben im Wald
Schon fast im Bernischen hinten
Ein verwittertes Steinkreuz mit Totenkopf
Dass mich nit grüssen mag
Ich nit beklag
Doch sei gedenk bei jedem Schritt
Ich komm mit

Der Alpsegen

Vom Wind zu uns herüber geweht
Ave Maria
Liessen alles liegen
Hinab die Schatthalde
Zum Bach
Soweit Segen schallt
Geschützt Mensch, Vieh und Flur
Fanden den Sennen auf kleinem Hügel
Nahe der Hütte
Sein Gebet ins Tal rufen
Es müsste einer in der Stadt
Bei Geschäften und Banken
Selbiges tun
Hörten andächtig zu
Während Sonne oben verschwand
Blaue Schatten an Hänge werfend
Barg später noch uns die Hütte
Tosend Gewitter tobte
Füllte listig der Senn uns Gläser
Und Kaffee
Loderte das Feuer
Schlief der Hund zu Füssen des Herrn

(Illustration: „Manschettler im Berg“, Zeichnung, Filzstift auf Papier
10×15

Figürliches

Ich schrieb zunächst
Dass du mich inspiriert hast
Es ist nicht wahr
Vielmehr war es
Das Plätschern des Brünnleins
An Zeit gemahnend
Das Flüstern in den Trauerweiden
An Räume erinnernd
Es war das Surren der Insekten
Leben
Die Bahnen der Mauersegler
Hoch oben am Himmel
Gewaltige Wolkentürme
Urtiere nachzubilden beliebten
Figürliches

Lokalbericht

Erdbeerfelder der Region geöffnet!
Frischer Spargel
Fischessen am 3+4 in K.
Sauberkeit, die sich lohnt
Offiz. amtliches Publikationsorgan
Kreis II
Brücke soll saniert werden
Verkehrsverordnungen
Kinderlachen erfüllte die Aula
Inserieren sie jetzt
Ristorante Capri ehem. Helvetia
Mediterrane Küche
Haus+Whg. räumt prompt
Zuverlässig, fachgerecht und günstig
Konkurskurve wird abgebrochen
Besuchen sie unsere Bibliothek
Postulat Mettler abgeschrieben

Kindergräber

Warum immer Kindergräber
Die kleinen Grabsteine
Das verwitterte Spielzeug
Zerbrochene Windrädchen
Pappnasse Teddybären
Stumme Namen
Man kann es nicht mehr sehen
Warum sind immer Kindergräber da
Sterben kleine Menschen kleiner
Ist der Tod eines Kindes kindlich
Ist es kindisch
Sich solchen Gedanken hinzugeben
Gedanken
Die sich aufdrängen
Wenn man so müssig dasitzt
Auf einer dunklen Bank
Sonne scheint durchs Blätterdach
Wind lässt Blätter tanzen
Wir haben uns geliebt

Gewitter

Ich entsinne mich
An ein gewaltiges Gewitter
Das sich über dem Freibad entlud
Ich als Knirps mit der Tante
Unter dem Vordach
Bei den Garderobekästchen
Wie danach die Sonne schien
Als wäre nichts gewesen

Bleibt

Wir suchen das Echte
Bleibende
Wer das 3:2 gegen Finnland sah
Weiss was gemeint ist
Unzählige Rosenknösplein
Kamen über Nacht
Die Literaturtage in S.
Können wir getrost auslassen
Rosmarie Pfluger 1919-2018
Im Gäu seit me
Mängi Chue vergisst
Wie si als Chalb
Gumped isch
Liebevolle Lehrerinnenschrift
Im abgegriffenen Sagenbuch
Gewidmet
Bleibt

Muttertag

Zum Muttertag
Macht man sich Gedanken
Nach 21 Jahren bleibt
Nicht viel übrig
Auf dem Friedhof
Muttertag
Wie wir heimkamen
Mit Geschenken
In der Schule gebastelt
Da freute sie sich
Nun halte ich
Das Poesiealbum in den Händen
Wünsche für ein gutes Leben
Dass man sich nie vergesse
Kindliche Treue
Wer weiss
Was aus ihnen wurde
Die es schrieben
Tintenkleckse und Fehler
Eingeklebt Kätzchen samt Korb
Rosen

Gelb

Gelb das Land nun
Und läuten Glocken
Branden weit
Fahren wir fort
Und wundern uns
Und essen Brot
Und Wein
Gehen den Weg
Allen Fleisches

(Illustration: „Rapsfeld“ Filzstift und Isolierband
auf Papier; 10×15)

Am Brunnen

Am Brunnen unter der Linde
Trocken die Zunge
Kühler Trunk
Erinnern uns jener Tage
Schwüle und Wetterleuchten
Wenn wir nach dem Znacht
Noch veruse durften
Sprang eine frohe Kinderschar
Trieb manch lustiges Spiel
Bis es dunkel war
Heiter ging der Tag zu Ende
Klopfend das Herz
Rote Wangen
Sanken wir ins Bett
Träumten von Reisen in den Urwald
Expeditionen auf den Meeresgrund
Tatsächlich bleibt das Gute
Verdichtet sich
Wird Gewissheit
Licht

Nur die Liebe bleibt

Das Leben hat manchmal
Einen eigenen Gout
Nach Holz und Metall etwa
Nach Feuer
Und Schönes ist wüst
Und das Wüste ist schön
Halten wir fest
Die Freude der Kinder
Auf den Fahrädern
Die Freude der Frauen und Männer
Wind der Gräser bewegt
Büsche und Bäume die sich wiegen
Regen der ausblieb
Blütenstaub
Immer wieder Geschichten
Vom Fahren und Lachen
Von Büchern und Tieren
Tiere umgeben uns
Leben wird gelebt
Nimmt Wendungen
Hat ein Ende
Nur Liebe bleibt

Freiheit

Am irischen Strand liegt
Das gelbe Wrack
Ein Boot mit dem Kubaner nach Florida flohen
Jahrelang auf dem Atlantik umherfuhr
Von Golfstrom hergetragen wurde
Als die Insassen längst in Sicherheit waren
So Gott helfe
Eine Nussschale mit einem Motor
Gut genug zweihundertdreissig Meilen zu schaffen
Das Schifflein ist selbst gemacht
Gebaut in aller Heimlichkeit
Zusammengestückt aus entwendetem Baumaterial
Armierungseisen zurechtgebogen und verschweisst
Es zeigt anschaulich
Wenn die Sehnsucht nach dem Meer
Die Sehnsucht nach Freiheit gross genug ist
Lernt man Schiffe bauen
Es sei Revolutionsromantikern wärmstens empfohlen
Die Konstruktion zu studieren
Die Wahl der Materialien
Den rostigen Klumpen zu berühren
Der einmal ein Motor war

Wenn’s hochkommt

Wenn’s hochkommt
Schaffe ich ein Gedicht am Tag
Oder einen passablen Text
Aber es kommt selten hoch
Meist ist viel zu tun
Alle wollen etwas
Man kommt nicht dazu
Wenn’s hochkommt
Schaffe ich eine Zeichnung am Tag
Aber das ist selten der Fall

Magnolie

Vor dem Haus steht eine Magnolie
Stand da
Steht auch noch da
Wenn wir längst ausgezogen sind
Steht dort
Wenn man uns hinausgetragen hat
Auf die Brunnenwiese

Schlechte Gedichte (2)

Wenn man Gedichte macht
Sie den Leuten zeigt
Finden es immer alle gut
Alle finden es eindrücklich
Gute Sachen schreibst du
Ausdrucksstark
Wortgewaltig
Sie reden wie Sachverständige
Heuchler
Niemand sagt
Vergiss es
Hattest du eine schwere Kindheit
Such dir ein Hobby
Solchen Schrott las ich nie zuvor

Stattdessen das Übliche
Brave Floskeln
Dabei würde das andere mehr bringen

Schädel und Waffen

Ich fand’s z.B nicht gut
Dass sie im Museum
Die Schädel nicht mehr zeigen
Schädel die uns immerhin
Zuversichtlich angrinsten
Erinnerten uns freundlich
Ans Endliche
Ich fand’s z.B nicht gut
Dass sie Waffen und Schädel
Gelochte und gespaltene
Aus den Vitrinen entfernten
Geschichte anders vermitteln wollen
Was bitte soll daran schlecht sein
Dass man drei Löchlein
Auf der Stirn sieht
Grinsend auch sie
Erinnerten uns daran
Wie es zu und her geht
Draussen

Und plötzlich ist sie da

Und plötzlich ist die kleine Traurigkeit
Einfach da
Unvermittelt
Wie ein Zug aus dem Tunnel rollt
Einfach so
Wie ohne zu fragen
Der Gast an meinem Tisch Platz nimmt
Mich anschaut und bemerkt
Dass ich schlecht aussehe
Die neue Traurigkeit
Legt sich ohne weiteres
Wie ein schwacher Schatten über uns
Noch lachten wir
Gingen voller Zuversicht
Nun hat uns der Saum des
Schwarzen Mantels gestreift
Der leichte Radmantel der Muse
Ganz fein klang ein Glöcklein
Ein Zipfel vom Totenhemd
Des Manschettlers
Fuhr uns übers Gesicht
Kühl wie Nebel
Wind kam von der Fluh
Nun ist die Traurigkeit da
Steht am Perron mit Gepäck
Ein Porteur lädt dienstfertig
Beschlagene Koffer
Auf denen Zettel kleben
Auf den Wagen
Sieht aus
Als wolle sie länger bleiben
Die kleine Traurigkeit kam verspielt
Wie ein kleiner Hund
Leckte uns die Hand
Auf der Ruine flattert nun
Ein anderes Banner
Die kleine Traurigkeit wieder ist da

Signale

Mitten durchs stille Quartier
Die Bahnlinie
Stillgelegt
Schlängelt sich im Schotterbett
Voller Unrat
Glänzen Schienen
In der Sonne
Eidechsen
Bleiben Kinder am Zaun stehen
Mit Wind in den Haaren
Stehen Signale auf rot
Eingeschachtet durch Felsschichten
Ein Tunnel war zu teuer
Legten sie Gleise
Auf Spuren von Dinosauriern
Über Gräberfelder
Schnitten hallstattzeitliche Hügel an
Alte Schienenstrasse
Beträchtlich einst ihr Wert
06:07 stiegen wir zu
Fahrt ins Glück
Noch ab und zu ein Güterzug
Eine rote Re 4/4
Zieht einen einzigen Wagen
Blinkt harmlos ein Schlusslicht
Verschwindet in der Kurve

Die Spielsachen sind weg

Ich sitze in der Sauna
Der Fall lässt mich nicht los
Am Schluss machte Krebs alles zunichte
Ich träumte davon
Sah Tätowierungen und Piercings
Sah Gesichter ganz nahe
Münder bewegten sich
Nur hörte man nichts
Im Allgemeinen sind die Leute ok
Ich habe einfach Mühe mit Abschalten
Dort wo der Knabe überfahren wurde/ Lieferwagen
Hat man nun abgeräumt
Nimmt Trauer weniger Platz/ ca. 50cm
Zwei Kerzen sind noch
Eine Holzblume
Die Spielsachen/ Playmobil/ sind weg
Auch die Kinderzeichnungen und das Foto
Das Foto war am schlimmsten
Lauf der Zeit
Mit der Zeit relativiert sich alles
Sprichwörter/ Kalendersprüche
Es ist nicht unbedingt Kunst
Was der junge Mann übers Wochenende machte
Die Wohnung ist ausgeräumt
Alles in Abfallsäcken im Wohnzimmer
Auf dem Heimweg
Von weitem sehe ich den roten Kater
Macht alles gut

Olecranon

Sie lassen
Ihre bösen Hunde
Während dem Spiel
Im Auto
Wenn es länger geht
Overtime
Bellen die Hunde und knurren
Dann strömt alles hinaus
Gehen durch Pützen
Bier und Erbrochenes
Verstummen in Gassen
Gespräche
Sätze sagen sie
Die kein Dichter zu Stande bringt
Raunen es sich zu
Worte wie Honig
Während dem Spiel
Lassen sie ihre Träume im Auto
Ihre Sorgen ziehen davon
Bis weit über die Bergkette
Wenn das Spiel im Gang ist
Haben sie alles Bösartige verloren
Alles Harte schwindet aus ihren Zügen
Sie schauen aufs Eis
Wie kleine Buben aufs Eis schauen
Sie klatschen und lachen
Lassen die Träume draussen
Wenn alles fertig ist
Sind sie weg
Sitzen dann im Rollstuhl
In geeigneten Einrichtungen
Und ganz selten flackert es auf
Das alte Leben
Dank Eishockey weiss ich jetzt
Dass ich ein Olecranon habe
Man merkt es
Wenn man den Arm aufstützt
Vögel sind mit den Dinosauriern
Nahe verwandt
Denke ich
Wenn ich den Meisen zuschaue

Davongekommen

Dass alles herumsteht
Fahrzeuge auf dem Trottoir
Bedeutet nichts Gutes
Alles abgesperrt
Dass alle warten
Räumt letzte Zweifel aus
Es geht nichts mehr
Von der andern Seite
Gaffen wir
Bevor wir weitergehen
So tun
Als gehe es uns nichts an
Noch einmal
Davongekommen