Nichts passiert

Es ist nicht immer einfach

Ein Gedicht zu machen

Ich meine

Man sitzt da und nichts passiert

Man sollte warten können

Es ist wie beim Fischen

Oder wenn man Aktien kauft

Dann sollte man auch warten können

Man sitzt da und raucht

Hört den Nachbarn

Wie er wischt

Irgendwo lärmen Kinder

Wenn man schon dabei ist

Man notiert Motorengeräusche

Man sitzt da

Nimmt einen Schluck Kaffee

Es passiert nichts

Dann kommt eine leichte Ahnung

Ein Hauch einer Idee

Fühlt sich gut an

Man sieht die Passhöhe

Sonne

Einer sagt etwas

Weiter vorn machen sie Fotos

Glück

Am Grümpelturnier

Der geistig Behinderten

Alles echt

Freude nicht simuliert

Wut unvermittelt

Der dicke Torhüter

Lacht die ganze Zeit

Dreht sich zum Publikum

Der Ball zum siebten Mal im Netz

Umarmungen

Es wird viel gelacht

Was ist Leben

Was ist Glück

Einer schaut in den Himmel hinauf

Regnet nicht

Jubelt er

Immerhin ein Gedicht

 

 

 

 

Erstes Herbstgedicht

Nachdem nachts Regen niederging

Riecht es nun

Nach Herbst

Unter der Dusche stelle ich mir vor

Den braunen Kittel

Die festen Schuhe

Raschelndes Laub durchschreiten

Schreibe die ersten Herbstzeilen auf

 

 

Es regnet

 

Nun können wir die

Versteinerungen betrachten

Die Ausbeute unserer Streifzüge

Lassen wir die Leute reden

Nährt Brot

Erfreut Wein das Herz

Küssen wir uns

Gehen Zeiten übers Land

Halten Einkehr bei der Kapelle

Reisst Wind an Bäumen

Fliesst Wasser zum Tal heraus

Schäumend bei der roten Brücke

Zieht uns in die Welt

 

 

 

 

 

Beim Wendelin

Wendelinskapelle

Von Grindel her kommend

Liegt sie auf der Höhe

Über Bärschwil

Nimmt der Heilige

Nicht nur Bauern Bürde ab

Auch Radfahrer werden erquickt

Stellten kurz ab

Betraten die stille Klause

Hörten Blätter rauschen

 

(A.F zugedacht)

 

 

Wieder daheim

Wieder daheim

Habe ich schon erzählt
Dass ich jüngst
Karl Marx sah
Sein Gesicht war gerötet
Er sass in einem Kurzarmhemd
Rief aus der Gartenwirtschaft
Hopp Hopp
Besonders schnell war ich wohl nicht
Winkte mit dem Glas
Die Steigung war beträchtlich
Langsam komme ich wieder an
Ich kenne es ja
Das ist von Vorteil
Wahlprospekte
Jedes Mal das Gleiche
Die Worte der Nachbarin von oben
Auf Anhieb verstanden
Keine Fremdsprachkenntnisse nötig
Bin wieder da

Liebesgedicht

Als ich nachts erwachte
Sah ich dich vor mir
Dein Lächeln
Stand auf
Trank Wasser
Draussen bellten Hunde
Hätte etwas aufschreiben sollen
Ich hätte es tun sollen
Das schönste Liebesgedicht
Mache ich heute nicht

Himmel

Nun senkt der Himmel sich
Als ein schweres Gemälde
Über unsere Tagträume
Gibt sich alles
Streiten sie im Tram
Einst die grosse Liebe
Erleichtern sich an der Haltestelle
Brummt ein alter Käfer
Ungeduldig heimzu

Landschaften

Öde Landschaften
Bauelemente
Liegen herum
Wie wenn jemand
Seinen Baukasten nicht schön
Aufgeräumt hätte
Liegen zerbeulte
Baumaschinen
Zerspellt im Schotterbett
Wie wenn jemand
Seine Blechspielsachen
Im Regen liegen gelassen hätte

Siedlungen

Ihre Siedlungsweise hat etwas Provisorisches
Es waren Nomaden
Auch die Dörfer wirken so
Nie ganz fertig
Stehen die Häuser viel zu klein
Verloren
In einer riesigen Landschaft
Rüttelt der Wind an Wellblech
Liegen Hunde vor Geschäften
Von denen man nicht so recht weiss
Überhaupt die Natur
Spricht mit einer urtümlichen Kraft zu uns
Nicht wie bei uns
Wo Erdoberfläche plastifiziert und clean ist

Flug nach Moskau

Habe die Stewardessen
Für mich allein
Wer hat sie schon gesehen
Die roten Majoretten der Aeroflot
Eiskalte Agentinnen allesamt
In ihren Kostümen
Hammer und Sichel
In die Lingerie gestickt
Versuche ein Gedicht beim Start
Ins Notizheft
Der Schub
Dann weiss ich nichts mehr

Aller Augen warten

In der Apotheke
Beraten sie
Entspricht Wetter
Der Vorhersage
Schlendert man
Durch Alleen
Verweilt man am Denkmal
Plätschert ein Brunnen
Hängen Fahnen flau
Angeleinte Hunde
Dösen vor Handlungen
Ging man Resultate durch
Wischen sich Friedhofsgärtner
Schweiss vom Gesicht
Erwarten Fachleute Anrufe
Kann man sich schwer festlegen
Schlummert Begehren
Aller Augen warten
Gib ihnen die ewige Ruhe

Gerüchte

Gerüche setzen sich fest
Hängen im Treppenhaus
Hinter vorgehaltener Hand
Parfum und Schweiss
Erde und Mist
Staub aus dem abgeernteten Feld
Klebt mir auf der Zunge
Fauliger Hauch aus dem
Ablauf in der Küche
Spitzes Frauenlachen
Im Garten
Stossweise lachen Männer
Wetterleuchten
Zieht das Gewitter auf
Man hat darauf gewartet
Will nicht richtig regnen
Dann Ruhe
Du schriebst wenigstens
Es gehe dir gut

Brief

Ich schreibe dir
Mit meiner Asche einen Brief
Singe dir das Lied vom Fluss
Blick in die Hügel hinüber
Du kennst den Platz
Wo ich immer gern war
Wenn es nicht mehr geht
Will ich deine Hand halten
Du musst am Bett sitzen
Werde dir schreiben

Regen

Schön wie es regnet
Es regnet herab und wir
Liegen im Bett
Das Fenster steht offen
Es regnet
Und wir sind unter Dach
Das ist schön
Ein Dach über dem Kopf haben
Rolf steht am Bahnhof
Aber er ist schon nass
Wie ein Tier im Wald
Auch seine Sporttasche ist nass
Doch klagt er darüber nie
Es ist schön wenn es regnet
Regen wäscht allen Schmutz weg
Jetzt wo alles so staubig
Eine Wohltat
Flimmerte es heute vor Hitze
Klebte Staub auf der Zunge
So glänzen jetzt Steinplatten
Hat es begonnen
Es rauscht
Regen kann lustig sein
Alles wird sauber und frisch
Regen kann traurig sein
Ein durchnässter Teddybär
In einer aufgeweichten Schachtel
Autos machen ein zischendes Geräusch
Fussgänger werden angespritzt
Schirme werden aufgespannt
Wer keinen hat
Geht schnell unter dem Regen fort
Eilt dem Haus entgegen
Regen macht alle gleich
Er fällt auf Katholiken und Juden

Liebe macht blind

Liebe macht blind
Doch öffnet sie uns die Augen
Für die kleinen Dinge
Die Schnecke am Weg
Die zum Blatt kriecht etwa
Ein Schwalbenschwanz
Zittrig vorbeischwebend
Die Locken des kleinen Mädchens
Sich unbändig bewegend
Bäume
Wasserlachen auf dem Perron
Darin sich alles spiegelt
Gedanken
Klar wie Quellwasser
Rolfs zahnloser Mund
Seine Tiraden

Glück

Kein Zufall
Dass ein Schwalbenschwanz
Ausgerechnet
Bei uns gelandet ist
Dort wo der Regenbogen
Die Erde berührt
Ist Gold zu finden
So ist Glück
Glaubten früher
Brennnesseln machen nichts
Wenn man die Luft anhält

Im Bad

Fallen Regentropfen
Ins grüne Wasser
Fische bleiben
In der Strömung stehen
Springen seitlich Knaben
Ignorieren die Badeordnung
Johlen beim Tischfussball
Sonne wärmt

Woher nehmen Dichter Inspiration?

(Mehrere Antworten möglich)

1. Menschen
2. Starke Gefühle
3. Die Natur
4. Passfahrt mit dem Velo
5. Verregnet werden
6. Vorstadt, Agglomeration
7. Unsere Kunsteisbahn
8. Alte Gebäude
9. Lokalteil der Zeitung
10. Stille Kammer
11. Warten
12. Am Stammtisch
13. Von andern Dichtern/ Literatur
14. Lesend am Kaminfeuer
15. Wenn man nichts denkt
16. Jahrbuch des historischen Vereins
17. Matchprogramm EHC
18. Betrachten von Kunst/ Gemälde
19. Musik (Bach, Pink Floyd, Genesis)
20. Unter der Dusche
21. Wortfetzen
22. Katzen
23. Wind zerzaust Haare
24. Rolf am Bahnhof (Landstreicher)

Grand Hotel

Das Grand Hotel
Besuchten wir vorzugsweise
In hellen Vollmondnächten
Und bei Sturm
Wenn der Wind aus den Tälern
Die Wellen mit weissen Krönchen schmückte
Richteten wir die Bar wieder her
Räumten den Gerümpel weg
Schleiften die modrigen Wolldecken
Auf die Veranda
Stuck fiel von der Decke
Neben uns krachte eine
Schwere Doppeltür aufs Parkett
Es war alles echt
In der Lobby sass kein Opernsänger
Hier hatten sie gar ein Feuerchen gemacht
Mit Stuhlbeinen
Auf der Theke stand ein
Kanister mit Totenkopf
Der Spiegel im Hintergrund
Eingeschlagen
Wie im wilden Westen
Die Barhocker streckten alle Viere von sich
Wir gingen in den tiefsten Keller
Wir durchstreiften alle Etagen
Bis aufs Dach
Im Büro stand der Tresor offen
Gefüllt mit alten Zeitungen
In den Gängen verkrüppelte Bettgestelle
Im Morgengrauen
Kletterten wir wieder auf die Strasse zurück

Die Mühle

Dass wir auseinander müssen
Macht mich traurig
Aber wie der Müller
Das Bächlein nutzt
Um seine Mühle anzutreiben
So nutze ich dieses Gefühl
Um Gedichte zu schreiben

Meier

Lange hat man gemeint
Man sei weder durch Meier
Noch Fringeli beeinflusst worden
Stellen fest
Landschaft und Leute
Land und Flüsse
Das Murmeln des Baches
Und der Greise
Gebräuche und Wetter
Durchsage des Speakers
Auf der Kunsteisbahn
Stimmungen und Sprache
Geografie
Tektonik und Geologie
Wirkten als physikalische Kräfte
Überzogen uns mit dem gleichen
Ascheregen
Verstrahlten uns vollkommen
Dass es keine Hoffnung mehr gibt
Diese wehmütige Stimmung
Der stille Trotz
Wenn die Musik beim alten Schulhaus
Einen Marsch intoniert
Wenn Mädchen und Knaben
Auf den Einzug in die Kirche warten
Wenn Fahrräder am Mittwochnachmittag
Vor der Bäckerei abgestellt sind

Bevor es losgeht

Still steht das Riesenrad
Die Buden noch verschlossen
Fährt Feuerwehr mit Harassen herum
Freut man sich aufs Fest
Noch einmal schlafen
Hängen Fahnen schlapp im Raum
Vermeldet der EHC
Sommerpause
Das neue Kader und Staff
Erinnert Sitzplatzabonnenten
Rasch zu verlängern
Die Nachfrage sei gross
Spielpläne liegen noch keine vor
Bevor es losgeht
Das Dispositiv steht
Einsatzräume sind definiert
Verhaftungstrupps halten sich bereit
Es gilt die Weisung
Möglichst viele Verhaftungen vorzunehmen

Fringeli

Fringeli
Angenehm kühl ist es
An diesem Hundstag
Im vierten UG der Bibliothek
Wo ihre Sachen lagern
Keiner der ihnen nachgefragt hätte
Haben uns offen gesagt
Als Schüler
Auch lustig gemacht über sie
Den Heimatsachen
Samt Gressly mit den Steinen
Lesen jetzt verzaubert
Von ihrem Schwarzbubenland
Von der Lüssle
Barschwang
Hören ihrem Dielakt zu
Als wär‘s Gesang
Wie heimatlich sie Heimat schildern
Und klar ihre Lieder
Uns bewusst wird
Das wir keine haben
Kein Land und Ort
Vom Zahnlosen vernommen
Dass der Kollege geraucht habe
Bis zuletzt
Niemand habe besser gebaggert und getraxt

Betrachtungen über die Vergangenheit

Beim Waldeingang
Hinter der Tafel
Naturlehrpfad
Wurde Sperrgut deponiert
Schwarze Säcke
Spielzeug
Teile eines Gestells
Ein Bildschirm
Alles liegt im Regen
Das Dorf duckt sich in die Senke
Die Kuppe des Hügels
Verschwindet im Nebel
Die Autobahn zeitigt eine Schneise
Mässiger Verkehr
Im Dorf ist es ruhig
Am Feuerwehrmagazin der Aushang
Das Dorffest findet statt
Blutspenden
Einige alte Gebäude sind zu sehen
Sie wirken verloren
Gemahnen an Freilichtmuseen

Gewitter

Im Schritttempo der Bus
Alles zu
Steigt man früher aus
Geht zu Fuss
Staubige Strasse
Unfreundlich und hässlich
Die Frau hinter der Bar
Schal das Bier
Unbequem der Korbstuhl
Langweilig und dumpf
Fussvolk
Unvorteilhaft
Behausungen zustrebend
Auf Bildschirme starrend
Gepäck tragend
Hinkend
Redend
Doch keine schönen Worte
Bevor es kommt
Bevor es endlich losgeht
Bevor das grosse Gewitter
Alles sauber macht

Gesamtausgabe

Seit die Gesamtausgabe
Bei mir steht
Schaue ich nicht mehr rein
Begnüge mich damit
Buchrücken zu betrachten
Früher
Als wir noch nicht zusammen waren
Wir alles in der Bibliothek holten
Knisterte es noch
Pochte wild das Herz
Lasen wir mit der Taschenlampe
Unter der Decke
Wie Binz den Saurer rattern liess
Nun leben wir im Konkubinat
Die Bücher und ich
Haben uns auseinandergelebt
Setzen Staub an
Lassen Buchzeichen stecken
Können immerhin stumm
Der Besucherin die Bücher weisen
Schau

Milch

Als Mutter im Sterben lag
War es viel zu heiss
Sie verlangte Milch
Ich ging also runter
Und holte Milch
Als ich wieder oben war
Schlief sie
Draussen tönten Maschinen
Und der ganze Staub
Ich stellte das Glas ab
Ich setzte mich hin
Die Uhr tickte
Auf einer Karte
Die da lag
Wünschte jemand
Gute Besserung

Längsschnitt

Velofahrt nach Bern
100 km
Längsschnitt durchs Land
Durch Geografie
Geschichte Kultur
Sondierschnitt im Bereich
Erinnerung
Klingen Akkorde aus Lokalen
Verhaltene Chromatik
Proben Chöre
Fahrt durchs Land
Erfassung
Von Wetter
Natur
Erkundungsfahrt im Raum
Wehmut im Logbuch
Festgehalten
Flüchtige Eindrücke
Das Blinken eines Lichts
Der schnurgerade Kanal
Parallel zur Nationalstrasse
Zäune und Hecken
Ein klarer Bach
Die rostige Schleuse
Dann und wann
Ein Homo Sapiens
Fauna und Flora
Mobile Botanisierbüchse
Schlachtdenkmal
Wandelndes Geschichtsbuch
Flattern Banner
Wäsche im Wind
Werden Grenzen überschritten
Der Berg

Steinhof

Erstens Exklave
Zweitens der Stein
Gewaltiger Findling
Kam vom Wallis her
Ziel mancher Schulreise
Zaghaftes Liebäugeln
Studentenfutter
Verschütteter Tee

Burgäschisee

Burgäschisee
Vögel und Motoren
3 Boote draussen
2 Schwimmerinnen
Der See ist klein
Doch war er gross
Als wir klein waren
Winters die Eisfläche
Eishockeypartien
Unterirdischer Abfluss
Der ertrunkene Knabe
Kam nie mehr zum Vorschein
Um 09:10 richten sich
Die Habitués ein
Im Strandbad
Ältere Semester alles
Wiegt sich Schilf
Stets der Berg als Hintergrund
Murmelnde Unterhaltung
Pfahlbauer lebten einst da
Wo jetzt Liegestühle sind
Jäger und Sammler

Römisches Bad

Im Ort haben sie
Reste des römische Bades
Alte Ziegel
Zerbrochene Röhren
Auf einem Betonsockel hinter Glas
Im Zentrum ausgestellt
Vandalen haben die Schrift an der
Infotafel zerkratzt
Auf den Ziegelresten liegen zerknüllte
Schokoladenpapiere
Zigarettenfilter
Einer schrieb ACAB aufs Glas

Sieger

Wie ein Sieger
Steht der verdammte Bagger
Auf dem Erdhügel
Nebenan mähen sie den Rasen
Kinder plantschen im Brunnen
Als wäre es eine Kunst
Einen alten Schuppen wegzumachen

Vertrag

Es ist ein Spiel
Man schlägt die Beine übereinander
Schaut auf den Clubtisch
Sieht den Eiswürfel kleiner werden
Dann sagt man im richtigen Moment etwas
Der Vertrag ist schnell aufgesetzt
Ebenso schnell zerrissen
Zuerst müssen wir den Burschen einmal
Auf dem Eis sehen

Natur

Heute früh
Lag ein Eichhörnchen auf der Brücke
Alle Viere von sich gestreckt
So wie ich gestern
Nur dass ich heute wieder der Radfahrerin
Mit den Zöpfen begegnete

Der Fisch

In Gedanken versunken
So hast du
Den Fisch gestreichelt
Träge schwamm er
Liess es sich gefallen
An diesem heissen Tag
Dann tranken wir
Kaffee vom Automaten
Der langsam in die
Becher rann

Leben schlechthin

Es ist klar
Dass man nicht immer
Weiter kommt
Man steht an
Strategien können gut sein
Aber auch das Gegenteil
Gibt am Ende keine Punkte
Rennt man gegen Windmühlen
Setzt man sich hin
Kommt kein Gedicht
Nichts geht
Sitzt man still
Und hört dem Vogel zu
Der auf dem Dach des Nachbarn
Sein Abendkonzert bietet
So spürt man immerhin noch
Dass es da ist
Leben schlechthin

Sihltal

Das kleine Bändchen
Liegt in meiner Hand
Schadhaft
Aus einer andern Zeit
Ist von alten Chroniken die Rede
Schützenfesten und Bratwürsten
Werben sie für reelle Weine
Prima Schinken und Speck
Preisen sie den Albis
Für Bobsleigh
Telephon im Hause
Eigenes Fuhrwerk
Fasst der Garten 2000 Touristen
Und finden im Schatten des
Lindenbaumes 300 Platz
Lebende Forellen
1A Aktienbier
Besucht das Sihltal
Erinnere ich mich an jene Fahrt
Über den Albis nach Luzern
Wo ich danach sehr krank wurde
Sehe dunklen Wald
Den Fluss
Dörfer und Fabriken wie beschrieben
Ruhe ich mich aus auf der Bank
Wo Nanny von Escher ins Notizbuch schrieb

Es hat etwas

Es hat etwas Sinnloses
Dieses Stochern im Teller
Auf den Tisch schauen
Wenn ein anderes Thema
Thema wäre

Es hat etwas Beklemmendes
Dieses leere Ausflugslokal
Die stummen Fenster
Versorgte Sonnenschirme
Und Reklame
Offene Registrierkasse

Es hat etwas Lächerliches
Der graue Polizist
Der dem Untergrundkämpfer
In gebrochenem Englisch
Einen Anschlag ausreden will

Es hat etwas Verstörendes
Die verteilten Kinderleichen
Im Kindergarten
Die bei genauerem Hinsehen
Puppen und Bären sind

Irgendwann sah er es ein

Dieser Segler
Irgendwann sah er es ein
Wie aussichtslos alles war
Das Boot langsam
Brach fast auseinander
Lockte die Preissumme
Schrieb seinen Wahn
Ins Logbuch
Nahm den Chronometer mit
Das Boot fanden sie viel später

Wieder mal ein Gedicht

Heute war ein heisser Tag
Sie sind jetzt alle unterwegs
Fahren herum
Auf der Landkarte
Für nichts
Ich sass unter dem Sonnenschirm
Schaute einer Frau nach
Mit beachtlichem Hüftschwung
Nur schade
Dass hier nie gelacht wird
Dachte für mich
Noch gute vier Monate
Und ich stehe wieder auf dem Eis
Spielen wieder zusammen
Hauen den Puck rein

Streufunde

Der Dichter hangelt sich
Dem Abgrund entlang
Es ist die Vergangenheit
Betätigt sich als Forscher
Liest da und dort
Scherben zusammen
Dringt vor in Räume
Splitter vergangener Zeit
Glaubt damit zu beweisen
Herzuleiten
Was gewesen
Streufunde

Glauser

Grab doch noch gefunden
Heute am 17.5.17
Sie haben umgestellt
Daher war man vergebens hier
Umgebettet
Liegt nicht mehr allein
Unter der Tanne
Jetzt
Am Rande neben Weber
Gestorben 1983
Schöner Tag heute
Solltest es sehen
Ausschnitte
Hitze
Motoren
Beine
Abgewinkelt der Arm
Einer Dame mit Tasche
Hier gibt es eine Bank
Mit Blick aufs Grab
Tönt Autobahn