Glückszahl

Die Quizfee schaut mich an
Ich sehe Makeup
Blonde Haare
Sie sagt man solle anrufen
Gewinnen sie 25’000
Meint mich
Stelle die Nummer ein
Die eingeblendet ist
Besetzt
Die Nummer meine Glückszahl
Ich wähle wieder
Sie sagt dass ich gewinne
Sie meint es gut
Ich stelle die Nummer ein

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Keller

Der Winkel unter der Treppe
Knarrend und ausgetreten
Vor der Welt der Grossen zurückgezogen
Ein Lager aus Decken bereitet
Doch alles hörten
Was sie in der Stube sprachen
Feuchter Winkel

Kellerstollen
Tiefe Räume
Kühle wie in Burgen und Klöstern
Bekieste Böden Lattenverschläge
Stickige Abteile
Spinnweben unheimliche Schemen
Vermachte Türen
Kisten und Kasten voller Vergangenheit
Ungehobene Schätze

Gipsbahn

Herbst Blätter
fallende Farben
feuchter Stein
die Schienen der
aufgelassenen Gipsbahn
dienen jetzt
da und dort als
Zaunpfosten in Gärten

Gleitschirme

Wie Zuckerwatte quillt Rauch
Aus schwarzen Schornsteinen
Gebrannte Mandeln als Moräneriegel
Bilden Landschaften
Versteinerungen am Laufmeter
Überschreiten wir die Höhe
Angezeigt in Metern über Meer
Fossile Zeugen harren
Gleiten Gleitschirme hinaus

Nebel

Ein bekanntes Phänomen
Dieser Nebel
Wie er alles in Watte packt
Die Fahrbahn benetzt
Graue Schraffur
Grobkörnige Flächen

Herbstcolloquium

Mücken noch und
Heuschrecken
Summen Bienen
Am Lavendel
Beet abgeräumt
Wurzelwerk ausgetan
Golden die Sonne
Würziger Stumpen
Kommt recht
Sauser genossen
Schattenhalb

Für die Wachen unsichtbar

Ich las von einem Schriftsteller
Der im Gefängnis sitzt
Davon schreibt
Dass er am Morgen
In einem Hotel in Paris
Dann wieder im Elternhaus
Erwache
Nie in der Haftanstalt
Mit Menschen spricht
Für die Wachen unsichtbar

Noch wärmt Sonne Fels und Stein

Herbstlaub raschelt
Auf Schritt und Tritt
Deckt alles zu
Schweigend gehen wir
Nebeneinander
Man fragt sich im Wald
Wer das ganze Laub
Wegräumen mag
Farbig deckt es
Archäologische Befunde
Vom Hof blieb nichts
Es riecht nach Erde
Holz wird verbrannt
Noch wärmt Sonne
Fels und Stein

Feld 1

Auf dem Friedhof spazieren
Knirscht Kies
Bleibt stehen an Platten
Goldene Inschriften verwittern
Zahn der Zeit
Ganze Jahrgänge abgeräumt
Unser längst dabei
Auf dem Friedhof flaniert
Zwischen Obelisken und Statuetten
Allee und Zypressen
Bleibt uns noch Frist
Doch alle hier
Sind den Schritt voraus

(Illustration: „Feld 1“, Zeichnung mit Filzstift auf Papier, 10×15)

Wozu Gedichte gut sein sollen

Woher Gedichte kommen
Sind immer schon da
Rund um uns
In uns drin
Naturbilder öffnen
Landschaften
Lockt man sie an
Wie eine scheue Katze
Verzog sich
Unter den Ofen
Sind sie dann da
Mit weichem Pelz
Erklingen Lieder
Woher Gedichte kommen
Gute Frage
Wozu Gedichte gut sein sollen
Berechtigt
Herausfliessen
Wie Wasser aus einer Röhre
Man braucht nur den Krug
Darunter zu stellen

Holzhacken

Ich höre Händel
Singe mit
Ein Gedicht gelingt nicht
Hackte Holz
Das Holz flog nur so
Ein Holzwurm kam zum Vorschein
Fett und weiss
Seiner Behausung beraubt
Der Nachbar blieb stehen
Kommt mal auf ein Bier
Summe die Fuge
Beginne immer wieder
Die Koloraturen
Meine Mutter
Hätte sich auch gefreut
Wie an der Sonne
Katzen die herumstreichen
Herbstland
Wieder zurück
Höre ich die Fuge an
Ich schliesse die Augen
Und sehe alles

Der Mann mit der Zeitung

Beim Eingang zum Foyer sass aber der Mann mit der Zeitung. Der Mann sass den ganzen Tag da, die Zeitung in den Händen. Über den Rand seiner Brille, die nachlässig auf seiner Nase sass, schaute er oft lange ins Weite. Meist war sein Blick aber in die Zeitung gesenkt, bei der es sich stets um den neuen Boten handelte. Mit dem neuen Boten sass der Mann da, und er hätte gefehlt, wenn er nicht dagesessen wäre. Das Blatt hielt er in Händen. Er blätterte es nie durch. Er hatte stets die Rückseite des letzten Bundes, genannt letzte Seite vor sich, worauf zusammenfassend alles verzeichnet war, was in der Welt vor sich gegangen war. Auch fand sich dort manchmal ein Witz oder einer Anekdote. Letzte Seite war ein stehender Begriff. Einmal, als ich neu war, fragte ich den Mann mit der Zeitung, indem ich vorbeiging, was es denn gäbe in der Zeitung. Ich fragte, «mein Herr, was gibt es neues in der Welt»? Der Mann mit der Zeitung blickte von seiner Zeitung auf. Er schaute mich an. In seinem Blick lag Traurigkeit. Er sagte nach langer Weile: «Nichts». Es war das Einzige, das ich je aus dem Munde des Mannes mit der Zeitung vernommen hatte. Ich entfernte mich schweigend. Im Nachhinein ist es mir nicht recht, dass ich überhaupt gefragt habe. Vom Mann mit der Zeitung erzählte man sich, dass er einmal ein anderes Leben gehabt habe. Er habe ein Amt bekleidet. Er habe eine Wohnung gehabt. Es hiess, er habe Familie. Der Mann mit der Zeitung sass da, wenn ich morgens kam und er sass an seinem Platz, wenn ich abends das Haus verliess.

Gefängnis

Es ist ein Gefängnis
Wo ich hause
Wo ich selber Gefangener bin
Insasse
Und gleichzeitig mein eigener Wärter
Der Wärter versieht seinen Dienst
Gewissenhaft und korrekt
Sein Vorteil
Er kennt den Häftling
Der Gefangene ist traurig
Aber es macht ihn froh
Dass er vom Wärter erkannt wird
In dem was er ist

Herbstbild

Man fragt sich
Wer dafür verantwortlich ist
Dass die gelben Blätter
Alle unter dem Baum zu liegen kamen
Blätter an den Bäumen
Weisen verschiedene Farben auf
Wer wohl die Berge erschaffen hat
Fragt der Knabe in der Schule
Der liebe Gott
Antwortet die Schwester
Daheim heisst es
Tektonik
Wieder in der Schule
Wird der Knabe bestraft
Weil er ketzerhaft behauptet
Nicht Gott sei Urheber
Wir schauen weit ins Land
Und es dünkt uns
Alles werde gut
Die Versteinerung die wir fanden
Mitsamt der Hose in der Waschmaschine
Überhaupt der Herbst
Hält uns vor Augen
Dass alles fällt
Vergänglich ist
Und selbst die Berge
Später den Leuten zugehört
Es ist Musik
Und ist es nicht so
Dass im Himmel musiziert wird

Für L.

Asche

Die Briefe werde ich verbrennen
Zuschauen werde ich
Wie die Flammen züngeln und tanzen
So wie wir getanzt haben
Der Wind wird die Asche forttragen
Wie wir uns treiben liessen vom Wind
Benetzt von Tau und Regen
So wie uns Küsse benetzt haben
Die Asche wird weit ins Land fliegen
Wie wir weit ins Land kamen
Wird über Flüsse und Felder gehen
Wie wir über Wasser und Land gingen
Berge und Schnee und Häuser

Scheltenmühle

Wo die Strasse in der Schlucht
Verschwindet
Das alte Gehütt
Mühle von einst
Nachmalige Wirtschaft
Leerstehend seit Jahr und Tag
a vendre
Verwittert die Tafel
Kein halbwegs Gescheiter
Würde hier etwas machen

Dunhill

Zwischentöne
Grauschattierungen
Es ist interessanter
Ich lese
Goldene Jahreszeit
Doch ist die Zeit mitnichten goldig
Zeitigt sie Zwietracht und Unbill
Deckt Nebel Wald
Will Sonne scheinen

Jeder macht seine Sache

Zeiten
Wo Bekannte
Sich nicht kennen
Nichts dergleichen tun
Jeder macht seine Sache
Findet keine Begegnung statt
Musik ist immer um uns herum
Musik kommt gewiss aus dem Himmel
Klingen plötzlich die ersten Takte der Fuge
Lassen einem beglückt in den Nebel hinaustreten
Nebel der alles schön einpackt wie in fliessende Watte

So sieht es aus

Es ist diese Szene
Wo man aus dem Einkaufscenter tritt
Das Zweitbeste in einem Plasticsack
Wie immer
Aus einem unsichtbaren Lautsprecher
Kommt
Phil Collins oder Supertramp
Erinnert einem an Zeiten
Und alle
Die es auch nicht geschafft haben
Dann ist noch die Sache
Mit diesem Lokal in der Vorstadt
Wo der Wirt einsam vor einem
Bildschirm an der Wand sitzt
Sie bringen die Zusammenfassung
Eine Leuchtreklame blinkt für Bier
Spiegelt sich alles draussen in der Pfütze

Regen

Glänzte regennass
Die Strasse
Sahen Gartenzäune aus wie neu
Warden Automobile gewaschen
Ungefragt
Fiel es unablässig herab
Netzte alles was da ist
Liefen tränengleich Tropfen
Am Fenster herab
Stellte sich ein kleines Glück ein
Klangen Worte nach

Herbstfahrt

Wie treu und lieblich
Die Nebelmuse uns begleitet
Benetzt uns Nebel
Zeigt sie uns das Land
Goldenes Laub
Auf ihrem Umhang
Ihr Blick herbstglitzernd
Glost Sonnenlicht
Im Nebelbrodem
Lässt die Wasser rauschen
Setzt Regen zu
Drunten in der Klus
Das stille Klagen
Heulte Wind jämmerlich
Schwermut hier gestaut
Ruhen Räder
Rosten Zeiger
Mahnt Verkehrsschild
Lacht schallend und singt
Erdenweib
Jagt uns durchs Tal
Lässt uns keine Ruhe
Bis wir ermattet uns
Der Lust ergeben

Sehnsucht

Sehnsucht
Heisst eine Wirtschaft
Am See
Seit zwei Jahren leer
Sehnsucht heisst auch
Die Bahnstation
Von der man
Eine gute Dreiviertelstunde
Zu gehen hat
Vorbei am Wegkreuz
Dem Schützenhaus
Dem eingedohlten Bach
Schauplatz mancher Mutprobe
Sehnsucht
Mutters Stimme
Wenn sie Schlager mitsingt
Erbeben in Guatemala vermeldet werden
Das Geschrei der Kinder
Mittwochs auf dem Eis
Die gute Kunsteisbahn
Vorletztes Jahr lief die
Konzession aus
Sehnsucht
Kuchenduft gemischt mit
Schnee
Zieht durchs Dorf
Sehnsucht
Nach dem Land
Wo Milch und Honig fliessen
Zitronen blühn
Wo du lachst

Eiszeit

 

 

 

Der ganze Mist

Den man einen Tag lang

Gut zu finden hat

Die Gewissheit

Heute geht es los

Sind alle wieder da

Werden in der Nordkurve

Stehen

Mit einem Becher Bier

Sie werden es machen

 

 

An guten Tagen

An guten Tagen

Läuft’s normal

Wie von allein

An den andern

Sitzt man da

Schaut die Wand an

Warum grinsen alle unablässig

Hin und wieder

Schlägt einer alles kurz und klein

Zündet ein Gartenhaus an

Gewöhnlich aber bleiben sie

Bleiben länger auf

Wenn ein Spiel übertragen wird

Dann reden sie übers Wetter

Kalt geworden

Warm geworden

Das Schreiben haben sie sich

Ganz abgewöhnt

Nur hie und da

Spannen sie einen Bogen ein

Tippen ungelenke Sätze

An eine Behörde

Bitten um Aufschub

Verbleiben mit freundlichen Grüssen

Würden wenn sie könnten

 

 

 

 

Regen

Regnerische Stadt

Leere Strassenzüge

Durchschritten

Alles still so weit

Am Bahnhof Aufruhr

Fussballfans

Blockieren die Gleise

Weisst du eigentlich

Wie schön du bist

 

Diese abgelegenen Häuser

Einkehr in diesem

Freistehenden Hof

Einem jener

Abgelegenen Häuser

Holz vom Wind

Blankgeschliffen

Abgeschliffen

Die Schwestern

Müssen schön gewesen sein

Bevor ein Fluch übers

Gehöft kam

Die Zeit

Diese abgelegenen Höfe

Wo sich alle aufs Haar gleichen

Der eine oder andere versorgt wird

Es sind diese wässrigen Augen

Voller Trauer

Und doch ein Lächeln

Während Wolken kommen

Männer im Holz

Der Wind

Rauch aus dem Kamin

Es ist die Traurigkeit

Das Moos an Grabsteinen

Im Hühnerhof

Die Unordnung

Es ist die Holzbrücke

Die Grenze

Wo sie einst den Knaben prügelten

Dann ins Welsche schickten

Hatte Kühe verhext

Die Grenze nunmehr Postautohalt

Was wohl aus ihm geworden ist

Es sind diese Sonntage

In der Anstalt

Wo es nach Bratensauce riecht

Putzmittel und Choräle tönen

Bleiben einstweilen im leeren Gastraum

Schauen herum

Wärmen uns am zerbrechlichen Lächeln

 

 

 

 

 

 

 

 

Morgennebel

Morgennebel macht Plakate feucht

So kommen sie gut runter

Die Lächelnden

Schulkinder reissen alles ab

Lassen sich nicht stören

Lachen laut

Bei jedem Fetzen

Der abgeht

Setzen das Zerstörungswerk fort

Ein einziger kreativer Akt

Gehen dann weiter

Eilig haben sie es nicht

 

Liebesbriefe

Von uns werden sie

Keine Liebesbriefe finden

Überreste des Glücks

Vergänglich wie alles

Trägt Herbstwind Asche

Übers nächste Haus

Fallen stetig Blätter

Treiben Holzleisten

Im Fluss beim Kraftwerk

 

 

Abend

Man sieht genau

Dass sie hinter den Fenstern stehn

Man sieht die Umrisse

Vorhänge bewegen sich

 

Man sieht die Schatten

Sie rauchen auf dem Balkon

Man sieht die Glut

Sie würden ein gutes Ziel abgeben

Rauchen nicht verdeckt

Wie man’s gelernt hat

Im Militär

 

 

 

Tod

Am Schluss wird es so sein
Wenn sie dich haben wollen
Bist du nicht da
Sie werden vor der Wohnung stehen
Mit ihren Funkgeräten
Sie werden vergebens gekommen sein
Unverrichteter Dinge werden sie abziehen
Du wirst es wieder einmal geschafft haben
Ein letztes Mal
Denn du glaubst ja nicht im Ernst
Dass sie dich nicht eines Tages kriegen
Sie werden schon im Wohnzimmer sitzen
Die Beine übereinandergeschlagen
Werden sie vor einem Whiskey sitzen
Sie werden keine Umstände machen
Wenn du spät heimkommst
Nur noch ins Bett willst
Du wirst versuchen witzig zu sein
Schön euch zu sehen
Braucht jemand Eis
Was gibts Neues
Ein letztes Aufbäumen
Es wird dir auffallen
Dass man am Ende immer allein ist
Immer
Dass immer die Bank gewinnt
Sie werden auf den Punkt kommen
Wir sind nicht hier für Geschichten
Du kommst mit
Du wirst Erstaunen mimen
Immerhin ahnend
Dass der Sand im Glas jetzt unten ist

 

Bleibt das Bild

Erdbeben in Italien

Sie retteten ein Baby

Man sieht das Pressebild

Mit Polizisten

Hände die sich entgegenstrecken

Erinnert uns an den Knaben

Der tagelang

In einem Schacht festsass

Sie versuchten alles

Konnten ihn nicht retten

Bleibt das Bild

 

(Illustration: „Knabe“, Collage. 10×15)

 

Die Idee

Die Idee kommt

Wie ein junges Kätzchen

Sie ist da

Die Idee kommt

Ohne dass man es bemerkt

Nun ist sie da die Idee

Flüchtig wie ein Schmetterling

Nähert sich die Idee

Setzt sich auf eine Blume

Die Idee war schon immer da

Am Anfang war die Idee

 

 

Nichts passiert

Es ist nicht immer einfach

Ein Gedicht zu machen

Ich meine

Man sitzt da und nichts passiert

Man sollte warten können

Es ist wie beim Fischen

Oder wenn man Aktien kauft

Dann sollte man auch warten können

Man sitzt da und raucht

Hört den Nachbarn

Wie er wischt

Irgendwo lärmen Kinder

Wenn man schon dabei ist

Man notiert Motorengeräusche

Man sitzt da

Nimmt einen Schluck Kaffee

Es passiert nichts

Dann kommt eine leichte Ahnung

Ein Hauch einer Idee

Fühlt sich gut an

Man sieht die Passhöhe

Sonne

Einer sagt etwas

Weiter vorn machen sie Fotos

Glück

Am Grümpelturnier

Der geistig Behinderten

Alles echt

Freude nicht simuliert

Wut unvermittelt

Der dicke Torhüter

Lacht die ganze Zeit

Dreht sich zum Publikum

Der Ball zum siebten Mal im Netz

Umarmungen

Es wird viel gelacht

Was ist Leben

Was ist Glück

Einer schaut in den Himmel hinauf

Regnet nicht

Jubelt er

Immerhin ein Gedicht

 

 

 

 

Erstes Herbstgedicht

Nachdem nachts Regen niederging

Riecht es nun

Nach Herbst

Unter der Dusche stelle ich mir vor

Den braunen Kittel

Die festen Schuhe

Raschelndes Laub durchschreiten

Schreibe die ersten Herbstzeilen auf

 

 

Es regnet

 

Nun können wir die

Versteinerungen betrachten

Die Ausbeute unserer Streifzüge

Lassen wir die Leute reden

Nährt Brot

Erfreut Wein das Herz

Küssen wir uns

Gehen Zeiten übers Land

Halten Einkehr bei der Kapelle

Reisst Wind an Bäumen

Fliesst Wasser zum Tal heraus

Schäumend bei der roten Brücke

Zieht uns in die Welt

 

 

 

 

 

Wieder daheim

Wieder daheim

Habe ich schon erzählt
Dass ich jüngst
Karl Marx sah
Sein Gesicht war gerötet
Er sass in einem Kurzarmhemd
Rief aus der Gartenwirtschaft
Hopp Hopp
Besonders schnell war ich wohl nicht
Winkte mit dem Glas
Die Steigung war beträchtlich
Langsam komme ich wieder an
Ich kenne es ja
Das ist von Vorteil
Wahlprospekte
Jedes Mal das Gleiche
Die Worte der Nachbarin von oben
Auf Anhieb verstanden
Keine Fremdsprachkenntnisse nötig
Bin wieder da

Liebesgedicht

Als ich nachts erwachte
Sah ich dich vor mir
Dein Lächeln
Stand auf
Trank Wasser
Draussen bellten Hunde
Hätte etwas aufschreiben sollen
Ich hätte es tun sollen
Das schönste Liebesgedicht
Mache ich heute nicht

Landschaften

Öde Landschaften
Bauelemente
Liegen herum
Wie wenn jemand
Seinen Baukasten nicht schön
Aufgeräumt hätte
Liegen zerbeulte
Baumaschinen
Zerspellt im Schotterbett
Wie wenn jemand
Seine Blechspielsachen
Im Regen liegen gelassen hätte

Siedlungen

Ihre Siedlungsweise hat etwas Provisorisches
Es waren Nomaden
Auch die Dörfer wirken so
Nie ganz fertig
Stehen die Häuser viel zu klein
Verloren
In einer riesigen Landschaft
Rüttelt der Wind an Wellblech
Liegen Hunde vor Geschäften
Von denen man nicht so recht weiss
Überhaupt die Natur
Spricht mit einer urtümlichen Kraft zu uns
Nicht wie bei uns
Wo Erdoberfläche plastifiziert und clean ist

Aller Augen warten

In der Apotheke
Beraten sie
Entspricht Wetter
Der Vorhersage
Schlendert man
Durch Alleen
Verweilt man am Denkmal
Plätschert ein Brunnen
Hängen Fahnen flau
Angeleinte Hunde
Dösen vor Handlungen
Ging man Resultate durch
Wischen sich Friedhofsgärtner
Schweiss vom Gesicht
Erwarten Fachleute Anrufe
Kann man sich schwer festlegen
Schlummert Begehren
Aller Augen warten
Gib ihnen die ewige Ruhe

Brief

Ich schreibe dir
Mit meiner Asche einen Brief
Singe dir das Lied vom Fluss
Blick in die Hügel hinüber
Du kennst den Platz
Wo ich immer gern war
Wenn es nicht mehr geht
Will ich deine Hand halten
Du musst am Bett sitzen
Werde dir schreiben

Regen

Schön wie es regnet
Es regnet herab und wir
Liegen im Bett
Das Fenster steht offen
Es regnet
Und wir sind unter Dach
Das ist schön
Ein Dach über dem Kopf haben
Rolf steht am Bahnhof
Aber er ist schon nass
Wie ein Tier im Wald
Auch seine Sporttasche ist nass
Doch klagt er darüber nie
Es ist schön wenn es regnet
Regen wäscht allen Schmutz weg
Jetzt wo alles so staubig
Eine Wohltat
Flimmerte es heute vor Hitze
Klebte Staub auf der Zunge
So glänzen jetzt Steinplatten
Hat es begonnen
Es rauscht
Regen kann lustig sein
Alles wird sauber und frisch
Regen kann traurig sein
Ein durchnässter Teddybär
In einer aufgeweichten Schachtel
Autos machen ein zischendes Geräusch
Fussgänger werden angespritzt
Schirme werden aufgespannt
Wer keinen hat
Geht schnell unter dem Regen fort
Eilt dem Haus entgegen
Regen macht alle gleich
Er fällt auf Katholiken und Juden

Glück

Kein Zufall
Dass ein Schwalbenschwanz
Ausgerechnet
Bei uns gelandet ist
Dort wo der Regenbogen
Die Erde berührt
Ist Gold zu finden
So ist Glück
Glaubten früher
Brennnesseln machen nichts
Wenn man die Luft anhält

Im Bad

Fallen Regentropfen
Ins grüne Wasser
Fische bleiben
In der Strömung stehen
Springen seitlich Knaben
Ignorieren die Badeordnung
Johlen beim Tischfussball
Sonne wärmt

Woher nehmen Dichter Inspiration?

(Mehrere Antworten möglich)

1. Menschen
2. Starke Gefühle
3. Die Natur
4. Passfahrt mit dem Velo
5. Verregnet werden
6. Vorstadt, Agglomeration
7. Unsere Kunsteisbahn
8. Alte Gebäude
9. Lokalteil der Zeitung
10. Stille Kammer
11. Warten
12. Am Stammtisch
13. Von andern Dichtern/ Literatur
14. Lesend am Kaminfeuer
15. Wenn man nichts denkt
16. Jahrbuch des historischen Vereins
17. Matchprogramm EHC
18. Betrachten von Kunst/ Gemälde
19. Musik (Bach, Pink Floyd, Genesis)
20. Unter der Dusche
21. Wortfetzen
22. Katzen
23. Wind zerzaust Haare
24. Rolf am Bahnhof (Landstreicher)