Milch

Als Mutter im Sterben lag
War es viel zu heiss
Sie verlangte Milch
Ich ging also runter
Und holte Milch
Als ich wieder oben war
Schlief sie
Draussen tönten Maschinen
Und der ganze Staub
Ich stellte das Glas ab
Ich setzte mich hin
Die Uhr tickte
Auf einer Karte
Die da lag
Wünschte jemand
Gute Besserung

Längsschnitt

Velofahrt nach Bern
100 km
Längsschnitt durchs Land
Durch Geografie
Geschichte Kultur
Sondierschnitt im Bereich
Erinnerung
Klingen Akkorde aus Lokalen
Verhaltene Chromatik
Proben Chöre
Fahrt durchs Land
Erfassung
Von Wetter
Natur
Erkundungsfahrt im Raum
Wehmut im Logbuch
Festgehalten
Flüchtige Eindrücke
Das Blinken eines Lichts
Der schnurgerade Kanal
Parallel zur Nationalstrasse
Zäune und Hecken
Ein klarer Bach
Die rostige Schleuse
Dann und wann
Ein Homo Sapiens
Fauna und Flora
Mobile Botanisierbüchse
Schlachtdenkmal
Wandelndes Geschichtsbuch
Flattern Banner
Wäsche im Wind
Werden Grenzen überschritten
Der Berg

Steinhof

Erstens Exklave
Zweitens der Stein
Gewaltiger Findling
Kam vom Wallis her
Ziel mancher Schulreise
Zaghaftes Liebäugeln
Studentenfutter
Verschütteter Tee

Burgäschisee

Burgäschisee
Vögel und Motoren
3 Boote draussen
2 Schwimmerinnen
Der See ist klein
Doch war er gross
Als wir klein waren
Winters die Eisfläche
Eishockeypartien
Unterirdischer Abfluss
Der ertrunkene Knabe
Kam nie mehr zum Vorschein
Um 09:10 richten sich
Die Habitués ein
Im Strandbad
Ältere Semester alles
Wiegt sich Schilf
Stets der Berg als Hintergrund
Murmelnde Unterhaltung
Pfahlbauer lebten einst da
Wo jetzt Liegestühle sind
Jäger und Sammler

Die alten Römer

Die alten Römer
Überfremdeten uns
Brachten kuriose
Gebräuche und Sitten
Redewendungen
Schienen bis nach Rom
Für perfekte Beine
Stellten Villen hin
Wo es ihnen passte
Lieferten Austern
Oliven in unsere Gegend
Kamen mit ihrer Dekadenz
Granatapfelkerne
Brachten Feuer ins Gemäuer
Aber wir Kelten
Seit je her
Romkritisch eingestellt
Dulden keine fremden Vögte
Um ein Haar
Wärn wir heut
Provinz mit Gelati
Dolcefarniente
Hätten die Barbaren nicht
Rom heimgesucht
Gehaust
Alemannen uns Dialekte
Nebst Siedlungsplanung gebracht
Waren immer Bringer
Diese Alemannen
Oh weh
Liessen die Römer uns
Fragmente eines
Nationalstrassennetzes
Marode Kasernen
Schutt und Scherben
Entfachten wir mit den Hektographien
Geschichte des Altertums
Lehrer Specht
In der Unterführung ein
Feuerchen

Römisches Bad

Im Ort haben sie
Reste des römische Bades
Alte Ziegel
Zerbrochene Röhren
Auf einem Betonsockel hinter Glas
Im Zentrum ausgestellt
Vandalen haben die Schrift an der
Infotafel zerkratzt
Auf den Ziegelresten liegen zerknüllte
Schokoladenpapiere
Zigarettenfilter
Einer schrieb ACAB aufs Glas

Sieger

Wie ein Sieger
Steht der verdammte Bagger
Auf dem Erdhügel
Nebenan mähen sie den Rasen
Kinder plantschen im Brunnen
Als wäre es eine Kunst
Einen alten Schuppen wegzumachen

Vertrag

Es ist ein Spiel
Man schlägt die Beine übereinander
Schaut auf den Clubtisch
Sieht den Eiswürfel kleiner werden
Dann sagt man im richtigen Moment etwas
Der Vertrag ist schnell aufgesetzt
Ebenso schnell zerrissen
Zuerst müssen wir den Burschen einmal
Auf dem Eis sehen

Natur

Heute früh
Lag ein Eichhörnchen auf der Brücke
Alle Viere von sich gestreckt
So wie ich gestern
Nur dass ich heute wieder der Radfahrerin
Mit den Zöpfen begegnete

Der Fisch

In Gedanken versunken
So hast du
Den Fisch gestreichelt
Träge schwamm er
Liess es sich gefallen
An diesem heissen Tag
Dann tranken wir
Kaffee vom Automaten
Der langsam in die
Becher rann

Leben schlechthin

Es ist klar
Dass man nicht immer
Weiter kommt
Man steht an
Strategien können gut sein
Aber auch das Gegenteil
Gibt am Ende keine Punkte
Rennt man gegen Windmühlen
Setzt man sich hin
Kommt kein Gedicht
Nichts geht
Sitzt man still
Und hört dem Vogel zu
Der auf dem Dach des Nachbarn
Sein Abendkonzert bietet
So spürt man immerhin noch
Dass es da ist
Leben schlechthin

Sihltal

Das kleine Bändchen
Liegt in meiner Hand
Schadhaft
Aus einer andern Zeit
Ist von alten Chroniken die Rede
Schützenfesten und Bratwürsten
Werben sie für reelle Weine
Prima Schinken und Speck
Preisen sie den Albis
Für Bobsleigh
Telephon im Hause
Eigenes Fuhrwerk
Fasst der Garten 2000 Touristen
Und finden im Schatten des
Lindenbaumes 300 Platz
Lebende Forellen
1A Aktienbier
Besucht das Sihltal
Erinnere ich mich an jene Fahrt
Über den Albis nach Luzern
Wo ich danach sehr krank wurde
Sehe dunklen Wald
Den Fluss
Dörfer und Fabriken wie beschrieben
Ruhe ich mich aus auf der Bank
Wo Nanny von Escher ins Notizbuch schrieb

Es hat etwas

Es hat etwas Sinnloses
Dieses Stochern im Teller
Auf den Tisch schauen
Wenn ein anderes Thema
Thema wäre

Es hat etwas Beklemmendes
Dieses leere Ausflugslokal
Die stummen Fenster
Versorgte Sonnenschirme
Und Reklame
Offene Registrierkasse

Es hat etwas Lächerliches
Der graue Polizist
Der dem Untergrundkämpfer
In gebrochenem Englisch
Einen Anschlag ausreden will

Es hat etwas Verstörendes
Die verteilten Kinderleichen
Im Kindergarten
Die bei genauerem Hinsehen
Puppen und Bären sind

Irgendwann sah er es ein

Dieser Segler
Irgendwann sah er es ein
Wie aussichtslos alles war
Das Boot langsam
Brach fast auseinander
Lockte die Preissumme
Schrieb seinen Wahn
Ins Logbuch
Nahm den Chronometer mit
Das Boot fanden sie viel später

Wieder mal ein Gedicht

Heute war ein heisser Tag
Sie sind jetzt alle unterwegs
Fahren herum
Auf der Landkarte
Für nichts
Ich sass unter dem Sonnenschirm
Schaute einer Frau nach
Mit beachtlichem Hüftschwung
Nur schade
Dass hier nie gelacht wird
Dachte für mich
Noch gute vier Monate
Und ich stehe wieder auf dem Eis
Spielen wieder zusammen
Hauen den Puck rein

Streufunde

Der Dichter hangelt sich
Dem Abgrund entlang
Es ist die Vergangenheit
Betätigt sich als Forscher
Liest da und dort
Scherben zusammen
Dringt vor in Räume
Splitter vergangener Zeit
Glaubt damit zu beweisen
Herzuleiten
Was gewesen
Streufunde

Glauser

Grab doch noch gefunden
Heute am 17.5.17
Sie haben umgestellt
Daher war man vergebens hier
Umgebettet
Liegt nicht mehr allein
Unter der Tanne
Jetzt
Am Rande neben Weber
Gestorben 1983
Schöner Tag heute
Solltest es sehen
Ausschnitte
Hitze
Motoren
Beine
Abgewinkelt der Arm
Einer Dame mit Tasche
Hier gibt es eine Bank
Mit Blick aufs Grab
Tönt Autobahn

Land

Hinter Lärmschutzwänden
Versprengte Siedlungsreste
Ein Land
Raum
Anlieferung läuft
Füllen den Automaten auf
Ein Himmel
Darin ein Gott
Schülerin auf den Zug wartend
Legten sie Schienenstösse
In die Flur
Traurige Zeiten
Wo Humorseminare florieren

Regenmorgen

Regenmorgen
Die Welt voll in Ordnung
Unterwegs nur
Wer muss
Einige Hunde
Pudelnass
Dann haben wir die
Kanadier vom Eis gefegt
Alles andere ist egal

Fertig

Wie eine fette Spinne
Hockt der Bagger
Auf dem Schutt
Von dem was übrig blieb
Ein Bauernhaus weniger
Das Schönste heute
Die Abfahrt von der Egg
Als gäbe es keinen Morgen
Erste Regentropfen
Und eine schwarze Wand
Aufkommender Wind
Und Sätze die aufs Papier wollen
Dein Lächeln
Kann ich nun ganz einfach
Unter Einstellungen speichern
Einfügen und fertig

Männerchor

Eine Zeitlang spielten wir
Wir wären ein Männerchor
Jakob war Sänger
Ich versuchte ihm
Das Lied beizubringen
Welches am Dienstagabend
Jeweils aus dem Saal klang
Das Väter daheim summten
Starb später in den Bergen
Ertrank im See
Wo es heisst
Es hause ein Ungeheuer drin
Halb Kuh halb Drache
Man fand ihn nie

Sandwiches

Wir hatten mal eine Grossmutter
Die beruhigte uns insofern
Als dass sie
Wenn Blut floss
Und es floss oft Blut
Bloody Sunday
Bloody Friday
Dass sie sagte
Ist nur Farbe nur Ketchup
Sah es überhaupt sehr ungern
Wenn zwei sich küssen wollten
Was uns bald mehr interessierte
Als Geballer am Horn-River
Dann stellte sie um
Grossvater war ein guter Schütze
Wenn nicht sein Rohr krepiert wäre
Traf stets ins Schwarze
Bis aufs eine Mal eben
Zu starke Ladung
Kann passieren
Kann passieren
Blut ist nur Farbe
Wenn sie sterben
Vom Pferd runterfallen
Ist es nur gespielt
Stehen danach wieder auf
Und essen Sandwiches

Herr Eicher

Von Herrn Eicher hiess es
Er habe dem lieben Gott
Den Tag gestohlen
Eicher kannte
Keine schlechte Laune
Er hatte für alle stets
Ein gutes Wort
Doch wo käme man hin
Er sei nicht der Erfinder der Arbeit
Sagten sie
Ned vo Schaffike
Aber Herr Eicher war zufrieden
Er klagte nie
Ging seines Weges
Und lächelte

Ganze Dörfer verlassen

Böll
Irisches Tagebuch
Hat Patina angesetzt
Sehr lesenswert dennoch
Ist es im Grunde genommen
Noch immer das gleiche
Sitze am Torffeuer
Unter vergilbten Stichen
Ausgestopften Vögeln
Die in meinen Träumen lebendig wurden
Bild eines Löwen
Draussen rauscht das Meer
Wenn man auf die Zehen steht
Das WC-Fenster aufdrückt
Sieht man die Küste
Die Dünen
Das Gras
Aufs offene Meer hinaus
Guinness ist flüssiges Torf
Die Kelten kannten den Tod doppelt
Körper und Name
Ein neues irisches Tagebuch wär’s
Nach dem Karfreitagsabkommen
Eins nach Brexit
Suchte Steinkreise in den Dünen
Las vom Bau der Eisenbahn nach Sligo
Die Postkutsche hatte 28/ die Bahn 10
Heute dauert‘s schlappe 3 Stunden
Dublin
Conolly Station
Amiens Street Station
Benannt nach einem Freiheitskämpfer
In Sligo nach Mac Diarmada
Auch er von den Engländern standrechtlich
Erschossen
Der Wind vom Meer
Molly Malone und ihr Karren
Lieder
Die Männer im O‘Donnelly
Unterlaufene Augen
Blaue wässrige Augen
Die dann alle in meinen Zug einsteigen
Liverpool FC/ Everton/ Man U
Hinkend der dicke Mann
Mit Leuchtweste /Security
Fingert zweimal am Getränkeautomat
Die Geldschale ab
Regentropfen am Busfenster
Ein Liebespaar engumschlungen trotzdem
Braun drängt Wasser in die Stadt
Weinende Frau mit Brille
Mutter mit Kind bleiben stehen
Einer fischt im Park Münzen aus dem Brunnen
Junge Frauen im Zug /Hen party
Der geistig Behinderte lässt laute Musik laufen
Draussen im Dorf
Rauch und Torf und Feuer
In der Kirche jeder Platz besetzt
Gebete murmle ich in meiner Sprache mit
Ist überall das Gleiche
Sie drängen noch hinein als es begann
Stehen während der ganzen Messe
Kinder auf dem Arm
Sommersprossige Mädchen
Nach der Messe Musik im Gemeindesaal
Flohmarkt
Sie will den Plüschtiger
Hier ist es kinderleicht
Gedichte zu machen
Wind voller Lyrik
Kein Problem zu dichten
Insel der Dichter und Barden
Worte liegen herum
Wie alles herumliegt hier
Steinzeitgräber am Weg
Das Meer
Sand
Welle auf Welle
Vögel schreien
Draussen schwarze Inseln
Verlassene Klöster
Leere Mühlen
Ganze Dörfer verlassen
Flattert zerschlissen die Trikolore

Von Zeiten

Vom Lauf der Zeiten
Kürzlich erst
Dass wir in kurzen Hosen
Beine baumeln liessen
Am Brunnen tranken
Während Geläut anzeigte
Der Siegrist selber
Wie gross schien uns die Kirche
Prächtig die Fenster
Glaubwürdig was sie sagten
Und kehrt man wieder
Die kurze Treppe
Die einst uns unendlich lange schien
Die Kirche klein und dunkel
Keine Besondere
Als man manch andre sah
Und Menschen
Die einem wohl bekannt
Doch ohne Namen sind
Auf den Gräbern draussen
Ganze Jahrgänge fehlen
Sieht man da und dort
Löwenzahn im Wind
Schuppen stehn wie eh
Und Scheiterbeigen
Viel Neues
Es ist gut
Denkt an vergangene Kindertage
Die nie mehr
Nie mehr wieder kehren
Dort waren sie gewohnt
Sind wir selbst die Alten nun
Ein anderes Geschlecht
Versteckt im Wald sich
Treibt Kurzweil am Bach
Kennt Schlüpfe und Verstecke
Schnitzt Waffen
Kommt müde und hungrig heim

Tunnel

Das ist ein Hin- und Hergedicht mit Ricarda Righetti
http://www.magischesdasein.wordpress.com

Wir drückten unsere Nasen platt
An den schmutzigen Scheiben
Sahen nackten Fels
Sinterndes Wasser
Nischen mit Werkzeugen
Unheimliche Tunnelambiance
Die Auskunft der Tante
Wie lange es noch gehe
Erwies sich als ungenau
Wie froh waren wir Kinder
Wenn wir draussen waren
Dörfer sahen und Felder
Tiere und alles

(Illustration: „Stillgelegter Tunnel“ Zeichnung,
Filzstift auf farbiges Papier, 10×15)

Überm Strich

Auf der Rangliste
Trennt der Strich
Oben und unten
An der Abdankung
Viele bekannte Gesichter
Doch keine Namen dazu
Im Hintergrund
Fenstermalerei
Martin und Bettelmann
Licht und Farbe im
Stillen Raum
Die Zeit
Gebete sagt man her
Hoffend
Der Trauerzug überquert
Die Strasse
Da wohnten sie
Und dort
Blauer Himmel
Trotzdem
Der Friedhof
Sie hielten uns fern
Von dieser Örtlichkeit
Wir hörten stets nur Geläut
Dass deine Schwester behindert
Warum fragt man sich
Knapp überm Strich verbleibend
Zusammenfassend

Schlafende Katzen

Auf dem Rüsler
Das Land zu Füssen
Landschaftsräume
Liegen bewaldete Hügel
Wie schlafende Katzen
Wolkenkunst
Suchen das aufgelassene
Bahntrassee
Strategisch von Wert einst

Ich schaue zum Fenster raus

Ich schaue zum Fenster raus
Was ich draussen sehe
Gefällt mir nicht
Der Himmel ist bedeckt
Aber das ist nicht das Problem
Die Vögel sind wenigstens emsig
Es schneit weisse Blütenblätter
Die kleben auf dem roten Gartentisch
Ich gehe in der Wohnung umher
Immer dieselben Sachen
Und im Grunde genommen
Hat man viel zu viel
Ich schaue in den Spiegel
Ich schreibe Gedichte
Wenn ich sie nachher lese
Kommen sie mir leer vor
Ich beginne zu streichen
Lege sie weg
Es wird noch schlimmer
Da schaue ich wieder zum Fenster raus

Einsames Haus

Das ist ein Hin- und Hergedicht mit Ricarda Righetti
http://www.magischesdasein.wordpress.com

Still steht das Haus
Abgeblättert
Abseits am Bach
Lange schon
Mühle da drunten
Wie oft ging ich hin
Sah Licht flackern
Rauch aus dem Kamin
Sagenumwoben das Haus
Gefüllt mit Geschichte
Fragend die Fensterhöhlen
Mächtig das Dach
Unter dunkeln Tannen
Dort

Fertig Fasnacht

Einmal wird die Fasnacht zu Ende sein
Irgendwann ist Schluss
Das Eisfeld ist ein See
Material liegt herum
Friedli demontiert mit seinen Helfern
Die Banden
Die Clubbaracke ist zu klein
Da muss etwas gemacht werden
Einmal wird es fertig sein
An einem schönen Tag ist es aus
Dann nämlich
Wenn man es am wenigsten erwartet
Es kann doch nicht immer so weiter gehen
Dann wird man wieder alle sehen
Die Grosseltern
Oliver
Sie haben es hinter sich
Und wahr ist
Keiner kam je zurück
Bleiben uns Besuche auf dem Friedhof
Lektüre am Feuer
Spaziergänge ins Tägerfeld
Noch einmal möchte man die Inselgruppe
Im Atlantik erreichen
An Land gehen
Wie ein Entdecker
Wenn der Wind die Gräser flachlegt
Und Schafe weiden
Wenn grosse Vögel schreien
Und das Meer ringsum unruhig wogt

Frei

Wir sind
Mandanten
Patienten
Spekulanten
Klienten
Steinewerfer
Esser und Trinker
Raucher
Verdächtige
Einstweilen frei

Idyll

Am Rank dort hinten im Wald
Wo die alte Strasse über den Bach geht
Die Halde
Wo Rostiges ragt/ Schutt zerbröckelt
Ein ausgeweidetes Motorrad fristet
Das Skelett einer Laterne
Im Laub/ Helvetia

Manches Mal
Suchte ich
Forschte nach ob sie noch da lag
Ging über Konserven
Scherben rieselten
Wem sie wohl gehört haben mochte

Immer das Gleiche

Es ist immer das Gleiche
Man schaut die alten Filme
Weil man irgendwas tun muss
Man hofft auf Regen
Dann hat man einen Grund
Um daheim bleiben zu können

Rilke

Kaum schreibt man ein paar Sätze
Kommen sie mit Rilke
Gedicht gleich Rilke
Rilke gleich Gedicht
Dabei bist du längst tot
Deine Sachen kamen weg
Man musste sie wieder beschaffen
Doch sind sie da
Hast du eigentlich die Raubkatzen gepachtet
Und Gitterstäbe
Hast du eigentlich das Spazieren in
Einsamen Alleen erfunden
Dann und wann ein weisser Elefant
Das Karussell dreht sich immer schneller
Kannst froh sein Rilke
Dass du heute nicht mehr dabei sein musst
Werde mal wieder nach Prag gehen
Zuerst warte ich aber auf ein Paket
Sachen von Schiller
Dann gehe ich nach Marbach
Nicht schlecht gemacht
Beziehungsweise gut gemacht
Wir sehen uns

(Illustration: „Kanal“, Zeichnung,
Tusche auf Papier, 10×15)

Alles normal

Die Raubtierkäfige
Speerangelweit offen
Ja klar die Tiere sind
In der Manege
Jetzt ist keine Vorstellung
Dann Proben sie halt
Und warum Schüsse?
Alles normal
Tiger sind sehr sensibel
Grosskatzen
Was ist mit den Löwen?
Kein Grund zur Sorge

Rundgang

Man macht ein paar Schritte
In eine Welt hinaus
Die man kennt
Die Häuser an der Strasse
Die Menschen
Der braune Hund zerrt
Vögel nisten
Wetterbericht
Geschichten ereignen sich
Lokalnachrichten
Schicksale gleichsam
Ruhig alles
Ereignisse
Der Zirkus baut sein Zelt auf
Die Strasse trägt
Eine Welt voller Geschichten

Im Buessbärg

Heit dr gwüsst
Ass im Buessbärg
Einisch e rächte Hof gstange isch
Jetzt hetts öppe ne Jogger
Spaziergänger und Hündeler
Me gseht die Stei und e Stäge
Alls zämegheit und verchrutet
Dr Brunne hei sie la si
S Wasser isch schön chalt
Heit dr das Jommere au scho ghört
Wenns chuttet und dr Wind
A de Tanne schriist
Das syg s Marieli wo chlagt

(Illustration: „Buessbärg“, Zeichnung,
Kohle auf Papier, 10×15)

Luftlinie

Zuerst Wolkengebilde
Verschmiert und grau

Später sehe ich das rote Licht
Des Sendeturms bei dir
Schaut mich an
Wie ein Auge
Luftlinie 40 km
Und doch
Uns trennen Welten

Scharen von Raben
Auf dem Heimweg
Lautstark wie immer
Von rechts nach links

Sterne funkeln
Sternbilder bringen
Geometrische Ordnung
Eine Sternschnuppe am 20.3
Unten brennt ein Feuer
Ich lege etwas nach

Der Satellit über mir
Fährt in seiner Bahn

(Illustration: „Weisser Würfel am Horizont“
Zeichnung, Fineliner auf Papier; 10×15)

Früelig en Grönland

Früelig en Grönland
Steht auf dem Transparent
Am besetzten Haus
Grobkörnige Aufnahme
Jetzt flattert es
Das blaue Band
Aufgewacht die Tiere
Der Kater beschnuppert die Staude
Ja die Vögel
Nisten im Kasten am Laternenpfahl
Jagdflugzeuge übertönen
Für einen Moment
Die Autobahn
Man kann darüber diskutieren
Ist es ein Gedicht
Oder eine Textcollage
Die Sonne verdeckt
Leichter Wind
Ein Pfeifen und Zwitschern
Und Kinder
Sonne hinter Wolken
Im Garten blüht die Forsythie
Gelb tut gut
Wie das Gitarrensolo
Aber noch ist nicht Sommer
Die Eishockeysaison
Noch nicht aus