Haubitzen

Bestes Wetter zum Turnfest

Die Holzbauten auf dem Festplatz sind solide

Der Ausstoss hektoliterweise

Heute früh ging ein Kranzturner

Durch meine Strasse

Er ging, wie Psychiatriepatienten mit zuviel Haldol

Ging barfuss und in roter Turnhose

Die Bierflasche in der Hand, wie eine Laterne

Voll, wie Haubitzen

Haben sie das Pulver verschossen

Am Bahnhof sammeln sich Vereine

Turnerinnen und Turner in frohem Reigen

Müde und zufrieden

In lustiger Folge tragen Fähnriche stolz

Ihr Banner

Blumensträusse und Ehrenbecher

Kränze

Nehmen auf dem Perron lauwarmes Bier

Singen beim Einsteigen

Am Nachmittag dann misst sich die Schuljugend

Über 60 und 80 Meter

Freudiges Geschrei und aufgeregte Eltern

Erinnern mich an die Schulzeit

Zu zweit in der Altersklasse gestartet

Freute mich Silber nicht

Overtime

Die schwarze Rauchsäule vom Brand im Nachbarsdorf

Reicht bis in die Quellwolken hinauf

Sie bringen es live

Eishockey Final: geht in die Overtime

Jeder tut, was er kann

Dr Speuchärtler

Dr Hobuspöönig

Die Aut’

Dr Aut’

D Abwaarti

D Pfarrchöchi

Dr Sektionsschef

D Müllere

Dr Moudi

D Chatz

D Kioskfrou vom Bahnhof

Ein Igel überfahren, um 11:00 abgeräumt;

Glänzt noch sein letzter Schiss in der Sonne.

Wir träumen zuweilen

Dass wir in der Heilanstalt an einer öffentlichen Fühung teilnehmen

Ernst zu meiner Collage mit den Frauenbeinen (in schwülstigem Goldrahmen)

«Dr Rahme isch no s Schönst»

Ernst hat’s erkannt.

Jungtiere

Die Kleintierschau findet

Beim alten Schulhaus statt

Tombola und Festwirtschaft  

Beim der Turnhalle

Unter Dach zum Glück

Petrus meint es nicht gut

Kleine Kinder umringen die Käfige

Der Jungtiere

Man kann über Tierhaltung

Geteilter Meinung sein

Eine Mutter ruft

Zieh dir die Jacke an

Züchter versprüren Befriedigung

Bei der Ausübung ihres Hobbys

Man muss einen Bon kaufen

Und dann am Wurststand anstehen

Auf Festbänken sitzt man

Beieinander

Das ältere Paar sucht den Namen

Vom ersten Goalie vom Hockeyclub

Er spezieller Typ sei er

Der Name liegt auf der Zunge

Wir sind in dem Alter

Wo man Namen vergisst

Vergesse Namen schon jetzt

Sage ich und beisse ab

Kinder sind bei den Küken

Und Kaninchen

Der Erhalt der Zuchtrassen

Sei wichtig

Under

Am grünen Stausee

Entenmutter mit 7-10 Küken

Am Wehr:

Ein Kran mit Greifzange

Fischt Schwemmholz

Aus dem Staubecken

Mit einem Motorboot fährt ein Arbeiter

Kreismanöver

Treibt Schwemmteppiche zum Kran

Eine Krähe schreitet auf einem Stamm

Der sich leicht in der Achse wiegt

Taucht den Schnabel ins Wasser

Gemahnt an Hans Huckebein

Sonne wärmt

Rückwärtig passieren Züge die Brücke

Güter und Personen

Fahrplanmässig

Im Nachtzug steht ein Kind am Fenster

Am Lieferwagen die Aufschrift

«Total Fugendichter GmbH»

Wir denken dabei an die Fuge

Aus Schuberts Messe in As-Dur

Beim Arzt:

Dieser sass am Feiertag über Akten

Farbige Kartonmappen in Stössen

Diese sind unterschiedlich dick

Einige enthalten Skizzen

Andere Romanfragmente

Totholz

Totholz

Eichelhäher

Kein schöner Land

Gedichte sind Teil des Problems

Einer warf vorletzte Woche ein Glas

Aus dem vierten Stock

Kain und Abel

Jetzt brauchen sie beim Fernsehen

Experten für Haubitzen und Flak

Wo doch noch gerade Expertise

Für Hundertstelsekunden gefragt war

Jetzt erinnern wir uns daran

Dass wir auf Lafetten geklettert

Und Berliner gefuttert haben

Aus der Feldküche

Jetzt verfolgen wir fiebrig den Live-Ticker

Mit Milchkaffee und Buttergipfel

Wie wir zeitversetzte Rennen verfolgt haben

Und den Medallienspiegel

Jetzt zeigen sie Bilder von zerstörten Häusern

Frauen und Kindern in Bussen

Stoppelfeldern mit brennenden Trümmerteilen

Nur dass die Bilder in Farbe sind

Jetzt zittern im Zoo die Tiere und brüllen

Wöchnerinnen weinen in den News

Mutter Courage lacht zahnlos in die Kamera

Soldaten zählen mehr als Dichter

Jetzt ist der Mensch wieder Mensch

Und ein stummer Gott im weiten All

Und Wölfe heulen in grosser Zahl

Auch verwilderte Hunde

Jetzt rattern die Druckmaschinen

Depeschen rasen um den Globus

Und alles weidet sich am Grauen

Hilfswerke gehen mit Sammerbüchsen herum

Jetzt sitzt der Tod wieder hoch zu Ross

Ein grausiges Gerippe in Lumpen

Landsknechte und Mordbrenner

Verrichten ihr Werk

Jetzt lernen sie wieder beten und knien

Druckverbände machen sie mit Bannerseide

Suppe kocht am offenen Feuer

Alte Lieder singen sie und murmeln

Am See

Spaziergänge am See

Haben mich immer gelangweilt

Diese seesüchtigen Schlendriane

Dieser Promenadenblödsinn

Haben immer etwas zu besprechen

Dann und wann bleiben sie stehen

Schauen hinaus:

Wellen blinken

Boote schunkeln

Eimer stinken

Tauben munkeln

Vögel kreischen fürderhin

Voll Futterneid

(wie Menschen)

Scheissen weiss auf öde Landungsstege

Blasse Gesichter im Gleichschritt

Gehen gsunntiget nebeneinender

Ich lasse den See sein

Das letzte Wort

Den Dichtern ins Stammbuch

Memento mori

Noch jeden kriegte er ins Lotterbett

Er adelt Dichter immerhin

Füllt Bibliotheken

Im Anfang war das Wort

Bestenfalls

Spass verstand der Rippenmann noch nie

Auch das Versmass sagt ihm nichts

Worte sind vergänglich wie Gräser

Man reisst sie aus

Wirft alles ins Feuer

Memento mori

Vergiss nicht

Woher du kamst

Ungewiss wohin

Der neue Ort muss gut sein

Zurück kam keiner

Schnee

Männer verschiedenen Alters

Stehen im Schneegestöber

Vor dem Industriebau

Ihrem Gotteshaus

Einige steigen in Autos

Andere gehen zu Fuss

Hände in den Taschen

Sie gehen zu den Häusern

Streben dem Bahnhof zu

Den äusseren Quartieren

Gehen über den Steg

Mit dem allgemeinem Fahrverbot

(…)

Der Wind lässt das Bäumchen

Im gelben Schein tanzen

Zerrt an letzten Blättern

Unruhige Wimpel

(…)

Skifahrer gleiten auf Fellen

Bergwärts

Zur Querung des Bächleins

Werden die Skier abgenommen

Ein paar Meter weit getragen

Der Steilhang ist mit Spitzkehren

Gut machbar

Es setzt Schneefall ain

Alte Männer

Zuweilen schauen alte Männer zu

Wie Häuser abgebrochen werden

Sie haben die Hände in den Taschen

Mützen sind nicht selten

Die Frauen schickten sie spazieren

Stefanstag

Jetzt, da ich vor dem Fernseher wäre

Spenglercup/ abgesagt

Spaziere ich bei strömendem Regen

Bleibe stehen

Blicke auf den herannahenden Zug

Der Lokführer hebt die rechte Hand

Bevor er unter der Brücke verschwindet

Ich hob die linke mit der Pfeife

Rechts hatte ich den Schirm

Von dessen Rand feine Bäche herabflossen

Die ersten vier Zeilen

Wir schreiben ab:

Es treibt der Wind im Winterwalde

die Flockenherde wie ein Hirt,

und manche Tanne ahnt, wie balde

sie fromm und lichterheilig wird,

und lauscht hinaus. Den weissen Wegen

streckt sie die Zweige hin- bereit,

und wehrt dem Wind und wächst entgegen

der einen Nacht der Herrlichkeit

Rainer Maria Rilke

Lernten auswendig

Lichterheilig

Mit dem Buch am Küchentisch

Schneeflocken tanzten

Im Ofen Feuer tobte

Die Mutter am Guezle

Das Haus voller Duft

Der Tiger zusammengerollt

Die Vorfreude

Draussen Teig zum Auskühlen

Prägten uns die ersten vier Zeilen gut ein

Der Rest wollte uns nicht in den Kopf

Wörtlich

Häuslich das Haus

Durstig der Durst

Langweilig die Langeweile

Tödlich der Tod

Nächtlich die Nacht

Täglich der Tag

Wörtlich das Wort

Saison

Aus Gesundheitlichen Gründen

(Gesundheitlichen gross)

Bleibt unser Lokal ab sofort geschlossen                    

& bedanken uns bei allen

Die uns über all die Jahre die Treue gehalten

Es war schön mit Euch

Werni+Jeanette

(Gilt auch als Leidzirkular)

Es war absehbar

Werni mit Sauerstoff/ Blieb viel hinten

Jeanette/ Krücken/ Tremor

Ein Letztes Tschumpeli

Temperiertes Herrgöttli

Wie er diese Saisonstelle gehabt hat

Arosa/ Unvergessen

Die Wirtin/ Damals/ Kochte an Weihnachten

Fürs Personal/ eine Erbsensuppe/ eine Suppe

Gnagi/ Schnörrli/ Schwänzli/ Alles

Der Boden fürs grosse Besäufnis

Heute Geschäftsübergabe

Zwei Herren im Anzug

Inventar übernommen

Balken und Wagenräder kommen weg

Man wünscht Erfolg

Nicht zum ersten Mal seit das AJZ

Bei Nacht und Nebel abgerissen

Fehlt ein Unterschlupf/ Ein Platz zum Sein

Wo man sich nach Befehlsausgabe

Verschlaufen kann

Der Wirt

EinTrinkaus ruft den Wirt herbei

Hier fülle meinen Krug

Das Virus sich zum Wirt begibt

Nur werde daraus klug

Dem Trinkaus ist es einerlei

Dem Virus ist es gleich

Heut trinken und heut lachen wir

Doch morgen schon als Leich

Das Virus liebet einen Wirt

Der Trinkaus auch nicht minder

Das Virus es vermehret sich

Der Trinkaus hat fünf Kinder

Das Virus auch zum Trinkaus kam

Der kippte seinen Becher

Mit glänzend Augen lallte er

Komm her du Knochenbrecher

Ich breche keine Knochen nicht

Das Virus tat bescheiden

Du bist für mich nur Zwischenwirt

Den Rest musst du erleiden

1-6

Erstens

Fahrt durch ein Land mit Kopfweh

Alles (die Landschaft)

In nebulöse Watte gepackt

Häuser und Schafe

Hügel gar

Zweitens

Rabattmarken einkleben

Drittens

Bruchwaren günstig erstanden

Viertens

Playmobilstadt mit Denkmälern gespickt

Fassaden und Herbst

(Laubhaufen+Bläser)

Geflügel

Hinrichtungen in der Steinach

Gemäss Tafel

(Ertränken)

Gallus zähmt den Bären

Diesen verschlugs ins Wappen

Morgenregenfrisch

Anwohner ziemlich freundlich

Funiculaire

Fünftens

Rückfahrt in die goldene Sonne hinein

Sechstens

Ansichtskarten

Das Wirken der Menschen berührt eigenartig

Gedanken sintern

Die Klause

Zuhinterst in enger Schlucht

Auf bewachsnem Sporn

Von kalten Wassern umtost

Die Grundmauern einer Kapelle

Wer mag sie dort hinten gebaut haben

Und weshalb

Wie nagte der Zahn

Jetzt thronen Bäume

Stauden

Liegen Steine und Mörtel

Archäologen fehlen

Ideal

Heute alles klar wahr

Das Gefieder des Schwans

Schön und gut

Einleuchtend

Ideal

Die morgendliche Fledermaus

Wetterbericht

Über den Hochhäusern am Stadtrand hatte sich eine riesenhafte dunkle Wolke zusammengebraut. Das Luftgebilde sah aus, wie ein gigantischer Steinbrocken, der sich langsam senkte und die Häuser zu zerdrücken drohte. Darunter, bei den Häusern, waren Kinder auf dem Weg von der Schule. In den Häusern bemerkte man die Vorgänge am Himmel nicht. Im nahem Fluss spiegelte sich nun die Wolke und es sah nicht gut aus. Sie verhiess nichts Gutes, wenigstens Regen. Dass dieser kommen würde war der allgemeinen Wetterlage geschuldet, von der gestern Prognosen kamen. Es wäre lächerlich, wenn man sich bei der meteorologischen Anstalt melden würde um genauere Angaben über die besagte Wolke zu erhalten. Von den Hochhäusern, keiner beliebten Wohngegend, würde nichts übrig bleiben. Sie würden ob der schieren Grösse des Steins zermalmt. Es wäre eine regelrechte Katastrophe, welche die kleine Stadt in der Weltöffentlichkeit bekannt machen würde. Im hintersten Hinterindien würde man ungläubig auf Bildschirme schauen und sehen, was kaum zu glauben wäre, eben, dass eine Wolke, zu Stein geworden, eine ganze Hochhaussiedlung am Rande einer Kleinstadt unter sich begraben würde.

Leben

Vom Asphalt schwingt

Der Bussard sich empor

Nachdem ich mich auf

Zwanzig Schritt genähert

Huckt ein Grasfrosch fort

Zum Grasband hin

Den Krallen und dem Tod

Entronnen

Setze meinerseits

Die Fahrt fort

Entrinne

Fallobst mit Wespen

Spätsommer

Sah heute einen Knaben in kurzen Hosen

Behende unter einem Zaun durchschlüpfen

Der Sommer sei schlecht gewesen

Sagen sie

Lustig und grün zieht das Wasser

Bei der Fähre vorbei

Erstmals dachte man morgens

Herbst

Zum Frohsinn

09:17

Regen tropft aufs Vordach

Ein Mann

Daunenjacke/ Sonnebrille

Meditiert vor einem Herrgöttli

(…)

T-Rex

Ein riesenhafter Bagger

Aregger AG

Reisst die Flanke

Eines Gebäudes auf

Armierungseisen/ Gekröse

(…)

Der Tod ist in unserer Nähe

Wenn

Man dem halbseitig Rasierten

Seine Morgendosis reicht

(…)

Schneeforscher Schneebeli

Gäbs ihn nicht

Müsste man ihn erfinden

Miniatur

Kinder, am Waldrand spielend, herumtollend. Knaben stellen eine Schiesserei nach. Ihre Waffen sind Stecken. Ein schwarzer Junge in einem hellblauen Regenoverall, dessen Kaputze ein transparentes Dächlein hat, erinnert mich an einen Astronauten oder eine Comic-Figur. Ungestüm rennt er den grösseren Knaben hinterher, die johlen.

Mädchen halten sich an den Händen, kauern beim Baum. Ich höre eins der Kinder sagen, es wäre eine Prinzessin.

Da schletzen die Knaben vorbei. Die Prinzessinnen nehmen keine Notiz davon. Dann und wann ruft eine der Betreuerinnen einem Kind.

Jetzt, da ich dies notiere, regnet es in feinen Schnüren. Nach dem Spiel kurvten für einen Moment hupende Autos durch die Strassen. Mittlerweile ist nur noch Regen.

Notizblock

Inmitten des Geblöks

Der aufstrebenden Stadt

Sitzt dunkel gekleidet

Ernst dreinblickend

Umwölkte Stirn

Signalisiert Weltschmerz

Die Suche fürs einzig Wahre

An Stoffen leidend

Obwohl noch jung

Vor leerem Notizblock

Mit Kaffee und Zigarette

Vom Leben umbrandet

Dem Hupen und Brüllen

Durch uns hindurchblickend

Der Welt entrückt

Arbeiter des Wortes

Sich an kaltem Kaffee labend

Besser

Diesen gar nicht trinkend

Requisit zur Installation

Einen Schriftsteller darstellend

An Bistrotisch sitzend

Ein Clichée bildend

Hasselblad

Verlege mich vom Dichten

Auf die Fotografie

Suche Leben

Emotionen

Den Augenblick

Menschen

Behausungen

Landschaften

Tiere (Fahrzeuge)

Merke

Es gibt keinen Unterschied

Das Zigeunerlager

Verlassen

Heute früh

Eine Wiese noch

Feuchtes Gras

Kein Fetzchen

Wie oft haben wir gedacht

Es anderswo zu probieren

Beginnendem Regen trotzend

Stehen am Areal

Bei der Einfahrt zum Notfall

Schwestern und Ärzte

Seit das Spital rauchfrei wurde

Dergestalt aussortiert

Verhuscht wie Junkies im Park

Kaffeebecher und Mobilephone

Gierig am Stengel saugen

Knapp ausserhalb der Zone

(Fotografie: Zürich, Winter 1991)

Liegenschaften

Einsamkeit wirkt

Zweistellig

In den Wohnungen (des Herrn)

In Liegenschaften

Er (der Tod) lacht uns an

Aus Fotografien

Vergilbten Albumseiten

Zahnlücken

Bild der Vergänglichkeit

Nippsachen voller Staub

Meisterschaftswimpel

Einsamkeit dringt durch Ritzen

Schlüssellöcher

Zuweilen bis ins Treppenhaus hinaus

Auf Vorplätze

Wo einst wir uns die Knie aufschlugen

Teppichvorleger (stumm)

An ihren Bildern sollt ihr sie erkennen

Pokale schmücken Vitrinen

Erste Schultage

Lachende Menschen (oft)

Auch Nachdenkliche

Schnappschüsse

Unschärfen

Friedhöfe sind eine Zumutung

Diagnosen

Leergut rausbringen

Altpapier

Wieder eine anzünden

Hören die Vögel nicht

Das heisere Husten der Elstern

Heimweh hiess früher

Schweizer Krankheit

Morgen

Das dünne Läuten der Kapelle vom Hügel

Still noch liegt die Wagenburg

Der Fahrenden

BE FR Kennzeichen

Krähen sind zugange

Motorrad unter dem Baum

Die aufblasbare Riesenerdbeere

Tagsüber mit den Ärmchen rudernd

Wenn das Feld zum Pflücken offen ist

Liegt schlaff in der Wiese

An eine Montgolfière gemahnend

Ein Reiher

Fernöstliches evozierend

Ein feiner Regenbogen an der andern Talseite

Bei W. setzt Regen ein

Dort fährt ein Auto an

Ruhende Behausungen

Stumme Gärten

Leichte Tropfen netzen die Pellerine

Kalt ist es ja nicht

Zügig radelt man weiter

Beim Haus mit dem Turm öffnet sich der Blick

Ferne die Berge

Kein Fischer am Fluss

Regentropfen Kreise ins Wasser zeichnend

Geometrie l

Vier schwarze Vögel (Krähen) fliegen in einen unruhigen verdunkelten Himmel mit groben Wolken. Sie bilden vier Eckpunkte eines Vierecks oder Trapezes, dessen Seiten sich, je nach Flugbahn der Tiere, unablässig ändern. Für kurze Zeit überkreuzen sie sich, um dann, bevor sie aus dem Blickfeld verschwinden (Hinter den Häusern) abermals eine geometrische Form darstellen, angedeutet mit Eckpunkten.

Walhalla

Regen fällt aufs Blätterdach

Vom Höhleineingang tropfts

Kühle Grubenluft

Kalk und Mergel

Nebel verhüllt zeitenweise die Dörfer

Bietet neue Einblicke ins Land

Ein Grünspecht zog seine Bahn

Der Abstieg schwer

Man kommt mühsam voran

Glitschiger Fels

Massena

Über der Kreuzung der Landstrasse kreisen Schwalben

Sie zeichnen kreischend Kreise

Unten stocken Lastwagen

(…)

Morgens leichter Regen

Sonne

Den Wald sanft ausleuchtend

Wenn mans könnte müsste man

Das Stativ aufstellen

So bleibt der Regenbogen

Mit einer abgebrannten Zigarette im Mund

Befestigt (…) ein kleines Banner

Für die Initiative gegen künstliche Pestizide

Geduldig knüpft er die Schnürchen am Zaun fest

An der Limmat

Unweit der Stelle wo Massena

Den Brückenschlag wagte

Eine Entenmutter mit drei Jungen

Junge Männer lümmeln auf Elektrorollern

Das Risimännli

Wild Geige spielend

Was vorkommt

Wenn das Wetter ändert

Der Fischer nach dem Spitalaufenthalt

Der

Wenns geht

Jeden Tag draussen auf dem See war

Um die Fische gehe es schon lange nicht mehr

(…)

Termine

Dort wo ich vorsprechen sollte

Lag meterhoch Schnee

Vergeblich suchte ich

Zeichnungsmappe unterm Arm

Die angegebene Adresse

Es schneite

Menschenleere Strassen

Der Mut verliess mich

Ich hörte nichts mehr von ihnen

Die Entwürfe landeten im Feuer

Man wollte sich in Lyss treffen

Weil dort die Bahnlinien zusammenkommen

Weil wir uns verpassten

Kritzelte ich unten auf ein Plakat

Dass ich nach B. weiterreise

Monate später haben wir in Z. abgemacht

K. Hatte einen Vorstellungstermin

Dieser zog sich in die Länge

Ich wartete drei Stunden im Restaurant

Zeit hatten wir ja genug

Abschied

Oft packt man seine Sachen zusammen

Nickt sich einen letztes Mal zu

Geht mit den besten Wünschen

Briefen im Gepäck

Hinaus auf die staubige Landstrasse

Verspricht

Sich bald wieder zu zeigen

Wenigstens Nachricht zu geben

Man zog mit dem Wind fort

Stieg über Stege

Ging zu den Bergen

Bis ans weite Meer

Kehrte nie zurück

Schulterte den Sack

Den ein jeder zu tragen hat

Kaffee und Nussgipfel

Velo

(…) wann immer alltäglicher Ärger wucherte, wie ein Geschwür. Die Zumutungen der menschlichen Existenz zudringlich wurden, Probleme, (…) wenn er sich unverstanden fühlte, auch müde, es satt war, immer und immer wieder von vorn zu beginnen, setzte er sich aufs Rennrad, während Gedanken Purzelbäume schlugen. Das Gehirn rekapitulierte die Sitzung mit diesem B. (Arschloch), Wort für Wort, Phrase um Phrase. Das Gewäsch derer, die sich gerne reden hören. Vorallem dieser B., wie bereits erwähnt, Schafseckel. (…)

Dazu Selbstzweifel, Trauer, Unrast. Jetzt murmelte er die Sachen, die man B. hätte sagen müssen. Kalter Wind blies ihm um die Ohren. Radfahren verlernt man nie. Wenn man es einmal erlickt hat, kann man es immer. Es geht im Wesentlichen darum, das Gleichgewicht des Fahrzeuges zu halten, und gleichzeitig mittels der Pedale, die nötige Kraft aufzubringen, die eine flotte Fortbewegung sicherstellt. Man entwickelt ein Gespür fürs Fahrrad. Man kennt die Fahreigenschaften auf trockenem Asphalt, nassem Laub, frischem Schnee und Kies. Man erinnert sich an Fahrten im Eisregen und kaputtem Reissverschluss. Man spürt Staub auf der Zunge, unbarmherzig brennt die Sonne auf die Strasse. Dass man einmal die Handschuhe vergass, vergisst man nie.

(…)

Es  stellte sich nach den ersten Kilometern eine gewisse Beruhigung ein, die sich bei der ersten Steigung verstärkte. Bilder wurden kleiner, verschwommener. Worte klangen leiser und verloren Eindringlichkeit, während die Beine in die Pedale traten und das Herz klopfte. Als man das Dorf unterhalb zu Gesicht bekam, wurde der ausgleichende Effekt noch einmal stärker. Puls und Kraft hatten nun die Gedanken übersteuert. Zweifel, Trauer, Wut, alles schien zu schmelzen, wie Asche zu zerfallen. Der Kopf wurde frei, leer. Sorgen verflüchtigten sich, wie Morgennebel in den Wässermatten, wenn Katzen lauern. Mit jeder Kehre, die dazugewonnen wurde, wuchs Freude. Es stellte sich innere Ruhe ein, während das Herz kräftig klopfte. Die Unbilden des Lebens waren weg. Das Rennrad an einen Masten gelehnt, sah er die Welt, Landschaft unterhalb, mit andern Augen. Es hatte alles einen zauberhaften Glanz erhalten. (…)

Dann schwang er sich in den Sattel und nahm die Abfahrt in Angriff, als gäbe es keinen Morgen mehr.

Menschwerdung

Stolz weist mich der kleine Bub

Darauf hin

Dass er Unterhosen trage

Mama schau ein Kran

Ruft freudig das Kind aus

Mutter nimmts verzögert zur Kenntnis

(mit Mobilephone beschäftigt)

Gregor

Neben dem Leichenwagen

Raucht er noch schnell eine

Am Rückspiegel ein HCD-Wimpel

Würd mich freuen

Von euch abgeholt zu werden

Die tätowierten Arme am Lenkrad

Gregor steht auf dem Blechschild

Die Frau unten

Hat eine weisse Katze

Behutsam geht das Tier

In die Wiese

Unordentliches Gedicht

Bei dem Worte durcheinander purzeln

Wie Kegel auf der gedeckten Bahn

Hinter dem Metropol

Musterkoffer bestückt mit

Majuskeln Minuskeln Interpunktion

Man könnte etwas tun

Gruss

Nun will der Lenz uns grüssen

Frühlingsglaube

Sonne brach das Eis von heute früh

Knaben fahren Rad

Rundherum summts

Ums Haus will nun vieles gemacht werden

Vorbei eisstarrendes Klirren

Gewesen flockendes Deckweiss

Verklungen traurige Weisen

Im Stall

Da ich klein und hilflos lag

Bargen warme Hände mich

Liebliche Wohnungen

Gefüllt mit Zuversicht und Nippsachen

Glückliche Scherben

Unter den Schuhen knirscht Zeit

Vergilbte Ideale

Hochglanzdrucke fallen von der Wand

Meistermannschaft

Vollkommene Düsternis

Extrahierte Lebensgeister

Formulare A-Z               

Verschlossen die Klosterpforten

Nebel im gewohnten Umfang

Eure Meldungen interessieren uns

Gering

Herbst

Herbst inspiriert

Sagt man

Blätter fallen wie von weit

Merkt man

Unverhoffte Leidzirkulare

Verdankt man

Es kommt wieder ein Frühling

Weiss man

Reklame und Rechnungen

Übersieht man

Mit uns verhält es sich wie mit dem Laub

Erkennt man

Wollen uns mehr bewegen

Verspricht man

Dröhnende Laubbläser

Erduldet man

Leckt mich am Arsch

Denkt man

Auch diese bittere Pille

Schluckt man

Blut und Leberwurst

Geniesst man

Es ist Herbst

Konstatiert man

Vögel

Mit dem Vorsatz

Zu schreiben

Ins Gebirge gereist

Nichts zustande gebracht

Worte im Schneegestöber

Der Fluss trug Baumstämme

Wie Zeichen

Von der Brücke sah man es

Die Burg lag im Nebel

Das Hotel liegt jetzt im See

Dort drunten feiern Nixen

Fischerpatente sind tageweise zu haben

Dohlen kommen ins Dorf hinab

Wenn in der Höhe Schnee aufzieht

Gierig flatternd picken sie Käserinde

Seht euch die Vögel des Himmels an:

Sie sähen nicht, sie ernten nicht

Und sammeln keine Vorräte in Scheunen.

Euer himmlischer Vater ernährt sie.

Seid ihr nicht viel mehr Wert als sie?

Altweibersommer

Über Nacht wurden in allen Abschnitten

Erhebliche Mengen an Laub abgeworfen

Senioren begeben sich auf Fahrten

Wespen taumeln dem Ende entgegen

Hornissen liegen auf Steinplatten

Jedes Jahr die gleichen Lieder

Jetzt

Ausgeweidete Lambretta
Am Bahnbord
Das Gerippe eines Einachsers
Gelochter Sattel
Darauf sass unser Anführer
Taten sind besser als Worte
Auch wenns nur ein Lächeln ist
Werde sich einen Hund zulegen
Hat er gesagt
In Alleen spazieren
Fügte er an
Kindern Schokolade geben
Geht heute nicht mehr
Bedauerte er
Als er sich vorstellte
Alt zu sein
Einen Scheissdreck werde ich
Ereiferte er sich
Werde Kindern Süssigkeiten zustecken
Ob es andern gefällt oder nicht
Ein Hund ist ein treuer Gefährte
Helfen den Bach zu stauen
Von früher erzählen
Bücher wieder lesen
Stehenbleiben für ein Gespräch
Eben mit dem Hund
Fügte der Freund an
Jetzt
Zwei träge Fliegen
Inwendig an der Scheibe
Die sich als schmutzig erweist
Uns werden Vorschriften nicht stören
Wir werden sehen
Kinder wollen den Alten nicht zuhören
Haben wir auch immer gemacht
Heute ist nicht früher
Sagten sie damals auch
Uns hat das Leben geschliffen
Wie der Fluss Kieselsteine
Jetzt wird er aber poetisch
Altes Haus

Sommerprosa

Zwei alte Freunde schlendern, ins Gespräch vertieft, durch altbekannte Gassen. Sie schauen sich die Schaufenster an. Auch ergehen sie sich in vergangenen Tagen. Die Tische der Gartenwirtschaften stehen weiter in der Gasse als sonst. Man sitzt zufrieden vor einem Glas. Rauch wird genüsslich ausgeblasen. Die beiden Freunde sind stillvergnügt. Sie bemerken den Schatten nicht, der ihnen schon lange folgt. Es ist der, der die Zeit bemisst. Ein präzises Handwerk betreibt der Fremde, der immer da ist. Obwohl es schwülwarm ist, trägt er einen weichen Mantel. Der Saum streift das ausgetretene Pflaster. Ein Wirt steht mit verschränkten Armen vor seiner Gaststube. Er nickt den Freunden zu, welche ihrerseits den Gruss erwiedern. Ein Geben und Nehmen. Die Kartonbündel stehen akkurat geschürt an einer Ecke, wo Hunde gerne das Bein hoben. Sie nehmen sich aus, wie Kunst. Die Stimmen auf einem Platz geben eine Klanginstallation ab. Ein dunkelhäutiger Mensch liegt grinsend auf einer Bank. Daneben stehen Frauen. Alles ist Freude. Man genoss das Abendessen und genehmigte sich einen Coupe Dänemark. Da hatte sich der im Mantel an einem Tisch an der Tür in die Zeitung vertieft. Eisenbahnen pflegen gelegentlich Verspätungen zu haben. Es geht meistens um Minuten. Wieder liegt Karton bereit. Auch diesmal waren ordnende Hände am Werk. Dies unterscheidet unsere Gassen etwa zu jenen in Paris. Dort pulsiert das Leben in höherer Kadenz. Beim Karton liegen ausgeweidete Bildschirme und das Kadaver eines Nagers. Das erwartete Gewitter bleibt aus. Der Andere hat sich für heute zurückgezogen. Er ging über den Steg davon, wo Liebespaare kleine Vorhängeschlösser befestigt und den Schlüssel in den grünen Fluss warfen.

Sommer

Bescheiden behauen das Brunnentröglein
Rossnägel mit Beinchen im brackigen Wasser
Drachengetier tummelt tief
Grünspanig stummes Rohr im bröckelnden Stein
Verschwindet schleichend schwarzer Schwanz
Gefährlich
Blättlein tanzen spärlich im Sonnenschein
Muster auf dem staubigen Weg
Ein Wald voller Vögel

Einfluss des Wetters auf die Dichterei

Bei Sonnenschein und schönem Wetter
geht Dichten schlecht
wenn Regen von Hut und Mantel rinnt
fällt Dichten ebenfalls ins Wasser
dass Pellerinenmusen fliessen
ist wahrscheinlich nicht
und augenblicklich geht man
hinab zum Wehr das tost
begegnet höchstens Kynologen
und Allerwetterpsychologen
nass und struppig glotzen treue Augen
nicht dass man inspiriert wenn einer apportiert
und wedelt mit dem Schwanz
und schüttelt sich noch ganz
man weicht dem Regen aus
zum Glück
und zieht sich unter Dach
zurück
zum Grog